NACHHALTIGKEIT BRAUCHT LEBENSZYKLUS.
LEBENSZYKLUS BRAUCHT PROZESSINNOVATION
inspiriert von erfolgreichen Bauherren

Das war der Kongress 2015

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Mehr als 220 interessierte Bauherren, Branchenmitglieder und Verantwortliche für Bauprojekte versammelten sich am 3. November 2015 im Rahmen des 5. Kongress der IG Lebenszyklus Bau in der Wirtschaftskammer Österreich in Wien. Das Programm setzte sich aus einer spannenden Podiumsdiskussion und Fachvorträgen rund um das Thema Projektkultur und Erfolgsfaktoren in der Praxis zusammen.

 

Das ständige Wechselspiel zwischen individueller Leistung und Teamgeist, Kooperation und Konfrontation, wurde von Keynote-Speaker Toni Innauer, Olympiasieger und Sportmanager, aus der Welt des Sports in die Bauwirtschaft übertragen. Sehen Sie sich jetzt das Video zum Kongress an, erschienen in Immoflash today (10.11.2015)

Zudem wurden drei Neupublikationen des Vereins vorgestellt, die neben den bisherigen „Säulen“ Organisation und Prozesse, die Kultur als dritte Säule erfolgreicher Bauprojekte präsentieren. „Weder Auftraggeber noch Branchenvertreter können es sich leisten, so weiter zu machen wie bisher. Eine Kultur des Miteinanders ist der Schlüssel für neue Prozesse“, betont Karl Friedl, Sprecher der IG Lebenszyklus Bau, M.O.O.CON. Die Publikationen des Vereins können hier bestellt werden.

 

Unter dem Titel „Qualitätsoffensive 2016“ wurde des Weiteren schon ein Einblick in das kommende Jahr gewährt: Die IG Lebenszyklus Bau bietet im April 2016 erstmals die Teilnahme an einem kostenlosen Online-Kurs an, der die Prozessschritte und organisatorischen Rahmenbedingungen für lebenszyklusorientierte Gebäude beschreibt. Als besonderes Highlight wird außerdem erstmals der Lebenszyklus-Award verliehen.

 

Hier finden Sie den Kommentar von Toni Innauer im Wirtschaftsblatt.

 

In unserer Galerie erhalten Sie zahlreiche Impressionen des 5. Kongresses der IG Lebenszyklus Bau.

Fünf ethische Grundsätze für die Bauwirtschaft

 

In technischen Systemen gibt es für jede Situation eine Ursache. Wenn man also die Ursache findet, kann man den Fehler beheben und das Problem lösen. „Soziale Systeme sind wesentlich komplexer und schwieriger zu durchschauen als technische Systeme. Die professionelle Gestaltung der Projektkultur birgt daher großes Potenzial für mehr Produktivität aller Projektbeteiligten“, erklärt Wolfgang Kradischnig, IG Lebenszyklus Bau, DELTA, unter dessen Leitung der Leitfaden „Projektkultur aktiv gestalten: Erfolgsfaktoren bei Bauprojekten – von der Strategie bis zur Umsetzung“ erarbeitet wurde. Unterstützt wurde die IG Lebenszyklus Bau bei der Ausarbeitung des Themas Projektkultur von der Initiative Kulturwandel Bau.

 

Um „negative Spiralen“ zu verhindern, definierte der Verein einen „Code of Culture“, also einen kleinsten gemeinsamen Nenner an Grundregeln für die Zusammenarbeit bei Bauprojekten. Daraus ergeben sich fünf ethische Grundsätze für die Bauwirtschaft:

 

  1. Fairer Wettbewerb
  2. Den Vertrag so fair zu gestalten, dass man auch selbst an der Stelle des Vertragspartners unterschreiben würde
  3. Vertrauen reduziert Kontrollaufwand und erhöht Produktivität
  4. Respektvoller, wertschätzender Umgang
  5. Mit Interessen und Handlungsmotiven transparent umgehen

 

CFO des Bauprojekts: Kaufmännischer Bauherrenvertreter

 

In dem unter der Leitung von Erich Thewanger, KPMG, erstellten „Leistungsbild Kaufmännische Bauherrenvertretung“ stehen die zentralen kaufmännischen Fragestellungen im Gebäudelebenszyklus im Mittepunkt. Dabei wurden die bestehenden Leistungsbilder, die dem Kosten-, Zeit- und Qualitätscontrolling der Projekte dienen, um die jedem Bauprojekt immanenten kaufmännischen Organisations- und Prozesserfordernisse ergänzt. 
Thewanger: „Wir haben den >Chief Financial Officer (CFO)< des Bauprojekts als Unternehmen auf Zeit definiert. Dieser ist organisatorisch direkt in der Projektleitung verankert. Nur so kann den zentralen kaufmännischen Zielsetzungen über den Gebäudelebenszyklus hinweg entsprochen und damit auch der kaufmännischen Unternehmensführung des Bauherrn die nötige Sicherheit in der Projektumsetzung gegeben werden.“ 

 

Inbetriebnahmemanagement: Damit die Realität hält, was die Planung verspricht

 

Gebäude haben oftmals höhere Bewirtschaftungskosten (u.a. Energie-, Wartungskosten) als geplant und wichtige gebäudetechnische Anlagen funktionieren nicht so, wie sie geplant wurden. Einen Verursacher ausmachen zu können ist oftmals nicht möglich, da es unklar ist, wo Fehler passiert sind: Der Bauherr vermutet Abweichungen der Planung von seinen Anfor- derungen, der Planer verweist auf fehlerhafte Umsetzung seiner Planung, der Errichter ortet aber ge- nau dort Mängel. Der Bewirtschafter wiederum bemängelt die unzureichende Dokumentation für einen effizienten Betrieb und am Ende ist der Nutzer schuld, der mit seinem ineffizienten Nutzerverhalten die höheren Kosten selbst verursacht. 

 

Das Leistungsbild „Inbetriebnahmemanager“ wurde unter der Leitung von Margot Grim, e7, entwickelt und soll obige Problematik bereits zu Beginn des Projektes vermeiden. Grim: „Der Inbetriebnahmemanager begleitet im Idealfall den gesamten Projektentwicklungsprozess und achtet darauf, dass die notwendigen Unterlagen für eine optimierte Inbetriebnahme überhaupt vorhanden sind. Aus unserer Sicht ist das ein Thema, das nicht nur langfristig denkende Bauherren, sondern auch Investoren anspricht, da es sich direkt und positiv auf die Gewährleistung, Mängelbehebung und die Betriebskosten auswirkt.“

 

Lebenszykluskostenrechnung im Vergaberecht 

 

Bereits im Vorjahr veröffentlichte die IG Lebenszyklus Bau den Fachleitfaden „Lebenszykluskostenrechnung in der Vergabe“. Dieser enthält allgemeine Erläuterungen zum Artikel 68 der EU-Richtlinie 2014/24/EU vom 26. Februar 2014 über die öffentliche Auftragsvergabe und wurde 2015 an das Bundeskanzleramt als Unterstützung zur Umsetzung der Richtlinie in nationales Recht übergeben. 

 

Das Thema wurde auch 2015 unter der Leitung von Helmut Floegl von der Donau-Universität-Krems bearbeitet. „Unter Mitwirkung zzahlreicher Bauherren und gesetzgebender Stellen haben wir 2015 wesentliche Vorleistungen für ein 2016 geplantes Forschungsprojekt erbracht. Im Rahmen dessen soll das dringend erforderliche Wissen und Know-how für den Einsatz der Lebenszykluskostenrechnung als Kriterium in der Vergabe sowohl für (öffentliche) Auftraggeber als auch für die Bieter erarbeitet werden.“ 

 

Neue Qualitätsoffensive ab 2016

 

Zur verstärkten Bewerbung der bisher erarbeiteten Standards startet der Verein 2016 eine neue Qualitätsoffensive: In Zusammenarbeit mit der TU Wien und zahlreichen weiteren Partnerorganisationen werden erstmals Leuchtturmprojekte für eine lebenszyklusorientierte Prozess-, Kultur-, und Organisationsqualität mit dem „Lebenszyklus-Award“ ausgezeichnet. Eine umfangreiche E-Learning-Plattform (Start: April 2016) vermittelt die vom Verein erarbeiteten Modelle und Leistungsbilder. 

 

„Unser Ziel ist es, durch diese Maßnahmen die Vorgehensweise der IG Lebenszyklus Bau bei öffentlichen und privaten Bauherren als Standard für erfolgreiche Bauprojekte zu etablieren“, zeigt sich Prof. Christoph Achammer, ATP architekten ingenieure, überzeugt von der Initiative, die unter seiner Leitung vorangetrieben wird. 

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