Partnerschaftlich Bauen: vom Impuls zur Umsetzung

Eine Orientierungshilfe für Auftraggeber:innen, Ausführende und Konsulent:innen

1 Was zeichnet partnerschaftliche Modelle aus?

In der von der IG Lebenszyklus Bau geführten Arbeitsgruppe wurden insbesondere die partnerschaftlichen Modelle „ECI“ (Early Contractor Involvement) und „IPA“ (Integrierte Projektabwicklung) diskutiert. ECI kann dabei im Wesentlichen als „kleines“ Modell beschrieben werden, das sich nur in wenigen Punkten von der klassischen Projektabwicklung unterscheidet, während IPA eine Vielzahl an vertraglichen Besonderheiten und Unterschiede in der Abwicklung aufweist:

Early Contractor Involvement (ECI) bedeutet, dass ausführende Unternehmen bereits in einer frühen Phase in das Projekt einbezogen werden. Anders als in der klassischen Projektabwicklung, bei der Planung und Ausführung voneinander getrennt sind, arbeiten Auftraggeber:in, planende und ausführende Unternehmen im Rahmen von ECI- bzw. Partneringphasen frühzeitig und auf Augenhöhe zusammen, um das Projekt zu optimieren und bestmöglich zu planen und umzusetzen. Durch den frühen Austausch kann das Spezial-Know-how der Baufirmen – etwa zu Produkten, Materialien oder Ausführungsdetails – zu einem Zeitpunkt in die Planung einfließen, zu dem dieses noch kostenschonend berücksichtigt werden kann. Die Erfahrung zeigt, dass Optimierungen bei klassischer Projektabwicklung nur selten umgesetzt werden, da Wiederholungs- bzw. Umplanungsschleifen nach Vorliegen der Ausführungsplanung – der Zeitpunkt, zu dem die Ausführungsleistungen üblicherweise ausgeschrieben werden – sehr kostspielig sind. Ein weiterer Vorteil: Terminpläne werden gemeinsam abgestimmt und frühzeitig stabilisiert.

Integrierte Projektabwicklung (IPA) ist ein partnerschaftliches Modell, bei dem Auftraggeber:in, planende und ausführende Unternehmen von Beginn an in einem integrierten Team zusammenarbeiten. Jedes IPA-Modell ist somit auch ein ECI-Modell. Grundlage eines IPA-Modells ein Mehrparteienvertrag, der gemeinsame Ziele, Risken und Chancen definiert. Aufgrund der geteilten Verantwortung für Kosten, Termine und Qualität wirken sich Einsparungen und Mehrkosten auf alle aus. Alle Beteiligten partizipieren somit am Projekterfolg und nicht nur an ihrem Teilergebnis. Damit unterscheidet sich IPA grundlegend von der klassischen Projektabwicklung, bei der Planung und Ausführung strikt getrennt, Leistungen nacheinander vergeben und Risiken überwiegend einzelnen Vertragspartner:innen zugeordnet werden. Während die klassische Vorgehensweise häufig zu Nachträgen, Konflikten und teuren Änderungen in späten Phasen führt, schafft IPA durch frühe Einbindung aller Projektbeteiligten, Transparenz und gemeinsamer Verantwortung eine kooperative Kultur, die Kosten- und Terminsicherheit sowie höhere Planungs- und Ausführungsqualität fördert.

Zwischen den vorgestellten Modellen der partnerschaftlichen Zusammenarbeit gibt es noch eine Vielzahl an weiteren Ausgestaltungsmöglichkeiten, wie etwa Allianzverträge (siehe dazu auch das ÖBV-Merkblatt „Alternative Vergabe- und Vertragsmodelle“ von April 2026).

Kein partnerschaftliches Modell funktioniert auf Bestellung. Als „Mindestanforderungen“ an ein partnerschaftliches Modell haben sich folgende Punkte herausgestellt:

  • Handlungsmaxime „best for project“
  • Auflösen von Vorurteilen und Aufbrechen von Silodenken
  • Fokus auf Kernkompetenzen und Fähigkeiten und nicht auf Schwächen
  • Projektabwicklung auf Augenhöhe und Kooperationsbereitschaft aller Beteiligten
  • Offenheit und Transparenz
  • lösungsorientierte Fehler- und Konfliktkultur
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