Bestandsentwicklung auf dem Weg zum Business Case

Teil 1: Ausgangslage, Rahmenbedingungen und erste Überlegungen

2 Betrachtete Gebäude- und Nutzungssegmente

Der Handlungsbedarf unterscheidet sich nach Nutzung, Bauperiode, Lage und Eigentümerstruktur. Tabelle 2 zeigt die Segmente mit den größten Hebeln und Herausforderungen.

SegmentCharakteristik
Wohnen: Nachkriegs-Mehrfamilienhäuser (ca. 1945 bis 1990)Größter energetischer und wirtschaftlicher Hebel, da eine Sanierung viele Wohnungen gleichzeitig verbessert. Hoher Heizenergiebedarf, oft fossile Heizsysteme
Wohnen: Einfamilienhäuser (1960 bis 1990)Schwache Dämmung, hoher Anteil fossiler Heizungen, große Dachflächen für PV. Eigentümer:innen entscheiden meist allein, die Finanzierung ist oft die Hürde
Wohnen: gemeinnütziger WohnbauGroße Bestände, einheitliche Eigentümerstruktur und professionelle Verwaltung schaffen gute Voraussetzungen für serielle Sanierung
Wohnen: GründerzeitHohe Einsparpotenziale, aber Denkmalschutz, aufwendige Fassadensanierung und hohe Kosten
BüroBestand überwiegend aus 1960 bis 1990, Schwellenwerte gelten je Gebäude, häufige Transaktionen, steigender ESG-Druck. Höchstes Stranded-Asset-Risiko in B- und C-Lagen, bei Objekten unter 1.000 m² sowie bei denkmalgeschützten und gemischt genutzten Gebäuden
Industrie und LogistikBetriebliche Prozesse bestimmen die Anforderungen, etwa Verladebereiche, Toröffnungen und thermische Prozesse. Standardlösungen sind nur begrenzt übertragbar
Handel, HotelsThermische Hülle gut abgrenzbar, technisch daher eher lösbar
Öffentliche GebäudeNoch nicht vertieft betrachtet
Tabelle 2: Relevante GebäudesegmenteDownload: Tabelle als PNG

Zwischenerkenntnis Nichtwohngebäude: Im Nichtwohnbestand zeichnet sich bereits eine klare Risikodifferenzierung ab. Besonders exponiert sind ältere, beheizte oder gekühlte Gebäude mit schwacher Gebäudehülle, fossiler Wärmeversorgung, unzureichender Regelungs- und Messtechnik sowie eingeschränkter Datenverfügbarkeit. Neben Büroimmobilien betrifft dies insbesondere Handels-, Hotel- und öffentliche Gebäude. Bei Logistik- und Industrieimmobilien hängt die Betroffenheit stärker von Konditionierung, technischer Nutzung und betrieblichen Prozessen ab.
Auch die Lage wirkt sich aus. In Städten sind Fernwärmeverfügbarkeit und CO₂-Einsparungen, aber auch die Sanierungskosten höher. Im ländlichen Raum dominieren Einfamilienhäuser mit Öl- oder Gasheizung, Wärmepumpen und PV sind dort oft leichter umsetzbar.

Regulatorisch sind Büros besonders exponiert, weil für Nicht-Wohngebäude konkrete Mindestvorgaben gelten und bestimmte Transaktionen bzw. Nutzungsänderungen des gesamten Gebäudes eine Renovierungsverpflichtung auslösen können. Technisch sind Büro, Handel und Hotels dagegen besser lösbar als Industrie und Logistik. Insgesamt ist zu erwarten, dass eher Gewerbe- als Wohnimmobilien unter regulatorischen Druck geraten, da Eingriffe im Wohnbereich politisch schwerer durchsetzbar sind.

Offene Fragestellungen

Nach welchen Kriterien die Segmente priorisiert werden, ist noch festzulegen. Handel, Hotels und öffentliche Gebäude bedürfen einer vertieften Betrachtung, Ergebnisse aus anderen Segmenten sind nicht ohne Weiteres übertragbar.

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