Bestandsentwicklung auf dem Weg zum Business Case

Teil 1: Ausgangslage, Rahmenbedingungen und erste Überlegungen

4 Praktische Umsetzbarkeit

Die Hemmnisse unterscheiden sich je Segment deutlich. Gemeinsam ist allen, dass bei umfassenden Sanierungen von Hülle und Heizung eine Weiternutzung während der Bauphase nur eingeschränkt möglich ist.

4.1 Wohnen

Wirtschaftlich sinnvoll sind vor allem Maßnahmen an der Hülle (Fassade, Dach, Fenster, Kellerdecke), der Tausch fossiler Heizungen gegen Wärmepumpe oder Fernwärme sowie PV, Lüftung mit Wärmerückgewinnung und Gebäudeautomation. Einzelmaßnahmen rechnen sich oft nicht allein, meist braucht es eine Kombination. Hemmnisse sind Beschlüsse im Wohnungseigentum, lange Amortisationszeiten, das Split-Incentive-Problem im Mietbereich (Vermieter:innen tragen die Kosten, Mieter:innen sparen Energie) und fehlende Transparenz über Gebäudezustand und Förderungen. Bei Gründerzeitgebäuden begrenzen Denkmalschutz und Fassadenvorgaben die Maßnahmen.

4.2 Büro

Planung, Genehmigung, Finanzierung und Bau dauern bei komplexen Bürogebäuden häufig mehrere Jahre. Auch die nunmehr vorgesehene Fünfjahresfrist kann bei umfassenden Renovierungsvorhaben anspruchsvoll sein. Die Renovierungspflicht wird bei Vermietung allerdings nur ausgelöst, wenn die Vermietung das gesamte Nicht-Wohngebäude betrifft; die Neuvermietung einzelner Büroeinheiten, Geschäftslokale oder Stockwerke löst nach dem Gesetzeswortlaut keine Renovierungspflicht nach § 118d Abs. 3 BO für Wien aus. Weitere Auslösetatbestände sind Verkauf, Schenkung und Nutzungsänderung jeweils des gesamten Nicht-Wohngebäudes; als Verkauf gelten auch bestimmte grunderwerbsteuerpflichtige Share Deals. Bei umfassenden Maßnahmen im laufenden Betrieb bestehen weiterhin erhebliche technische, wirtschaftliche und organisatorische Herausforderungen. Gebäudeautomation im laufenden Mietbetrieb nachzurüsten ist teuer und zustimmungspflichtig; die Solarpflicht scheitert oft an Statik, Dachaufbauten oder Denkmalschutz. Die Nichterfüllung einer bestehenden Renovierungsverpflichtung kann mit Geldstrafen bis EUR 100.000 sanktioniert werden.

4.3 Industrie und Logistik

Temperatur, Luftwechsel, Zugänglichkeit und Versorgungssicherheit sind betrieblich vorgegeben, offene Verladebereiche und häufige Toröffnungen bestimmen die Wärmeverluste mit. Niedertemperatursysteme setzen meist eine verbesserte Hülle voraus. Für gasbetriebene Dunkelstrahler gibt es derzeit noch keine technisch ausgereifte nachhaltige Alternative. Wie ein Nullemissions-Logistikzentrum mit Andockschleusen und Verladezeiten zu konzipieren ist, ist noch nicht beantwortet.

Offene Fragestellungen

Ob die regulatorischen Fristen mit realen Planungs-, Genehmigungs- und Bauzeiten vereinbar sind, wird unterschiedlich beurteilt und bedarf weiterer Klärung.

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