Digitale Bestandserfassung & Kreislaufwirtschaft

KI-gestützte Dokumentation im Bauablauf & Betrieb

1 Einleitung

Die digitale Bestandserfassung gewinnt entlang des gesamten Gebäudelebenszyklus zunehmend an Bedeutung. Dabei geht es nicht darum, Gebäude grundsätzlich möglichst vollständig oder detailliert digital zu erfassen. Entscheidend ist vielmehr, welche Informationen für einen konkreten Anwendungsfall benötigt werden und in welcher Qualität und Detailtiefe diese vorliegen müssen.

Für Bauherr:innen, Auftraggeber:innen und Bestandshalter:innen stellt sich daher zunächst nicht die Frage nach der geeigneten Erfassungstechnologie, sondern nach dem Zweck der Bestandserfassung: Welche Entscheidung oder welcher nachgelagerte Prozess soll durch die erhobenen Informationen unterstützt werden? Daraus lassen sich die erforderlichen geometrischen und alphanumerischen Informationen, die notwendige Genauigkeit und Detailtiefe sowie geeignete Erfassungsmethoden und Ergebnisformate ableiten.

Dieses Dokument bietet hierfür eine praxisorientierte Orientierung aus Sicht der Auftraggeber:innen. Es beschreibt typische Anwendungsfälle der digitalen Bestandserfassung entlang des Gebäudelebenszyklus – von Portfolio- und Investitionsentscheidungen über die Bereitstellung von Planungsgrundlagen und die Dokumentation der Bauausführung bis hin zu Betrieb und Rückbau.

Die Use-Case-Steckbriefe unterstützen Auftraggeber:innen dabei, für den jeweiligen Anwendungsfall zu verstehen,

  • welches Ziel mit der Bestandserfassung verfolgt wird und welchen Mehrwert sie bietet,
  • welche Leistungen dafür erforderlich sind und was konkret zu beauftragen ist,
  • welche Fachdisziplinen bzw. Dienstleister:innen diese Leistungen erbringen können,
  • welche Ergebnisdokumente und digitalen Lieferobjekte zu erwarten sind,
  • welche geometrischen und alphanumerischen Informationsanforderungen sowie Anforderungen an Qualität und Detailtiefe bestehen und
  • welche vorhandenen Grundlagen und Erfassungsmethoden dafür herangezogen werden können.

Die konkrete Ausgestaltung der Leistungen, Verantwortlichkeiten und Schnittstellen ist dabei projektspezifisch festzulegen und hängt unter anderem von Zielsetzung, vorhandener Datengrundlage sowie Projekt-, Vergabe- und Vertragsmodell ab. Die Steckbriefe verstehen sich daher nicht als standardisierte Leistungsbilder, sondern als Orientierung für die Definition und Beauftragung einer zweckgerechten digitalen Bestandserfassung.

Eine vertiefende Beschreibung der Methoden und Technologien zur digitalen Bestandserfassung ist in der Publikation „3D-Bestandserfassung und nachhaltiges Ressourcenmanagement“ von Digital Findet Stadt zu finden. In der Publikation werden unterschiedliche Erfassungsmethoden gegenübergestellt und deren praktische Anwendung, Potenziale und Grenzen beschrieben. Zudem wird ein praxisorientierter Prozessablauf für die digitale Bestandserfassung dargestellt.

1.1 Anwendungsfälle entlang des Gebäudelebenszyklus

Die folgende Übersicht zeigt die in dieser Dokumentation betrachteten Use Cases und ordnet sie den Lebenszyklusphasen zu, in denen sie typischerweise relevant sind.

Abbildung 1 Zuordnung der Use Cases zu den LebenszyklusphasenDownload: Tabelle als JPG
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