Digitale Bestandserfassung & Kreislaufwirtschaft
KI-gestützte Dokumentation im Bauablauf & Betrieb
12 Fazit und Ausblick
Die gemeinsame Bearbeitung der Use Cases hat gezeigt, dass es bei der digitalen Bestandserfassung nicht darum geht, möglichst viele Informationen mit möglichst hoher Detailtiefe zu erfassen. Ausgangspunkt sollte der konkrete Anwendungsfall sein: Welche Entscheidungen oder nachgelagerten Prozesse sollen unterstützt werden und welche Informationen werden dafür tatsächlich benötigt? In welcher Qualität müssen diese Informationen vorliegen? Erst daraus lassen sich der erforderliche Erfassungsumfang sowie geeignete Methoden und Ergebnisformate ableiten.
Die Ergebnisse dieser Arbeitsgruppe basieren auf den unterschiedlichen Perspektiven und Praxiserfahrungen der beteiligten Organisationen: M.O.O.CON steht für Beratung und BIM-/Informationsmanagement, Digital Findet Stadt für Forschung und Entwicklung und FCP und BIG für Projekt- und Bauherrenerfahrung. Gerade die gemeinsame Betrachtung der Themen über unterschiedliche Rollen und Lebenszyklusphasen hinweg war auch für die Beteiligten selbst lehrreich und hat gezeigt, wie wichtig der fachübergreifende Austausch bei der Definition praxistauglicher Lösungen ist.
Die Initiative der IG Lebenszyklus Bau hat es ermöglicht, diese unterschiedlichen Erfahrungen zu einem gemeinsamen Thema zusammenzuführen und daraus eine praxisorientierte Orientierung für die Branche zu entwickeln. Die dargestellten Use Cases sind dabei kein abschließendes oder standardisiertes Leistungsbild, sondern der Ausgangspunkt für die projektspezifische Definition einer zweckgerechten digitalen Bestandserfassung.
Für eine weiterführende Vertiefung, die Übertragung auf konkrete Projekte oder die Weiterentwicklung einzelner Use Cases stehen die Mitglieder der Arbeitsgruppe gerne für den fachlichen Austausch zur Verfügung.
Die Publikation bietet eine praxisorientierte Orientierung für die digitale Bestandserfassung aus Sicht von Bauherr:innen, Auftraggeber:innen und Bestandshalter:innen. Im Zentrum steht die Frage, welche Informationen für einen konkreten Anwendungsfall tatsächlich benötigt werden, in welcher Qualität sie vorliegen müssen und welche Erfassungsmethoden dafür geeignet sind.
Anhand von zehn Use Cases entlang des Gebäudelebenszyklus zeigt die Publikation, wie digitale Bestandsdaten für Portfolio- und Immobilienbewertungen, Wettbewerbe und Machbarkeitsstudien, Umbauplanungen, Baufortschritts- und Qualitätssicherung, As-Built-Dokumentationen, ESG- und Nachhaltigkeitsanwendungen, Facility Management sowie Kreislaufwirtschaft und Rückbau genutzt werden können.
Deutlich wird dabei: Ziel ist nicht eine möglichst vollständige oder maximal detaillierte Erfassung des Bestands, sondern eine zweckgerechte Datengrundlage. Dazu müssen Informationsanforderungen, Genauigkeit, Detailtiefe, Ergebnisformate, Rollen und Schnittstellen projektspezifisch definiert werden. Gleichzeitig sollten vorhandene Unterlagen und Datenbestände konsequent genutzt und nur dort ergänzt werden, wo relevante Lücken bestehen.
Die Use Cases verstehen sich daher nicht als standardisierte Leistungsbilder, sondern als Orientierung dafür, wie digitale Bestandserfassung sinnvoll definiert, beauftragt und über unterschiedliche Lebenszyklusphasen hinweg mehrfach genutzt werden kann. Digitale_Bestandserfassung_FINAL
- Ausgangspunkt jeder digitalen Bestandserfassung sollte der konkrete Anwendungsfall sein – nicht die verfügbare Technologie.
- Nicht möglichst viele Daten, sondern die richtigen Informationen in der erforderlichen Qualität und Detailtiefe schaffen den größten Mehrwert.
- Informationsanforderungen, Genauigkeit, Ergebnisformate und Verantwortlichkeiten sollten vor Beginn der Erfassung eindeutig definiert werden.
- Eine zweckgerechte Bestandserfassung kann entlang des gesamten Gebäudelebenszyklus genutzt werden – von Portfolioanalyse und Planung bis zu Bauausführung, Betrieb und Rückbau.
- Digitale Bestandsdaten können Planungsrisiken reduzieren, Abweichungen früh sichtbar machen und Nachträge sowie unnötige Neuerfassungen vermeiden.
- Bestehende Daten und Dokumentationen sollten zunächst geprüft und genutzt werden; fehlende oder nicht belastbare Informationen können gezielt nacherfasst werden.
- Einmal strukturiert erhobene Bestandsdaten lassen sich mehrfach nutzen, etwa für Planung, Facility Management, ESG-Anwendungen und Kreislaufwirtschaft.
- Für As-Built-Dokumentation und Betrieb ist entscheidend, dass der tatsächlich ausgeführte Zustand erfasst wird und nicht lediglich der letzte Planungsstand.
- Für Kreislaufwirtschaft und Rückbau müssen neben Geometrie auch Materialien, Bauteilaufbauten, Mengen, Verbindungen sowie Schad- und Störstoffe berücksichtigt werden.
- Die beschriebenen Use Cases sind keine standardisierten Leistungsbilder, sondern eine Orientierung für die projektspezifische Definition und Beauftragung der digitalen Bestandserfassung.
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