Portfoliomanagement im Gebäudebestand

Acht unterschiedliche Wege zu einer strategischen, wirtschaftlichen und klimafitten Bestandsentwicklung

10 Erfolgsfaktoren und Handlungsempfehlungen

OrganisationPrimärer FokusKernmethodeBesonderer Mehrwert
BIGDekarbonisierung und WerthaltigkeitKonzernweites Priorisierungs-frameworkIntegriert CO₂-Wirkung, Investition und Fair Value
BUWOGTechnische Clusterung und SanierungsroadmapEntscheidungsbaum plus ReferenzgebäudeSkalierbare Maßnahmen- und Kostenkennwerte
EGWStrategie- und Organisations-entwicklungAbteilungsübergreifender WorkshopprozessHohe Akzeptanz und klare Verantwortlichkeiten
ÖBBNutzungs- und flächenbasierte SteuerungPortfolios, Subportfolios und strategische KategorienVerknüpft Kerngeschäft, Entwicklung und Nachhaltigkeit
Post AGPilotierung und schrittweiser RolloutTypenobjekte, Ampellogik und SzenarienFrühe Transparenz zu Technik, Kosten und Schadstoffen
Serielle Sanierung e7Potenzialerhebung für serielle SanierungGIS-gestützte Filterung und ClusterungAutomatisierte Vorauswahl großer Portfolios nach räumlichen und geometrischen Kriterien
Stadt SchwechatKlimaneutrale kommunale Bestandsentwicklung3D-Simulation, Monitoring und SzenarienVerknüpft Gebäude- und Quartiersebene mit Anergienetz- und Sanierungs-potenzialen
Stadt Wien/MA 34Dekarbonisierung und Sanierungssteuerung im öffentlichen BestandZustands- und Verbrauchsdaten, Dringlichkeit und MaßnahmenpaketeVerknüpft Vorbildfunktion, Energieeffizienz, Dekarbonisierung und laufendes Monitoring
Tabelle 9: Schwerpunkte einzelner PortfolioanalysenDownload: Tabelle als PNG

10.1 Gemeinsame Erfolgsfaktoren

Da sich die Zusammensetzung von Gebäudebeständen, wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sowie Eigentümerstrukturen in Unternehmen fundamental unterscheidet, können die Herangehensweisen an das Portfoliomanagement nie eins zu eins von anderen Organisationen oder Unternehmen übernommen werden. Es ist daher eine ausgiebige, individuelle Auseinandersetzung mit dem eigenen Gebäudebestand zwingend erforderlich, jedoch kann auf folgende bewährte Erfolgsfaktoren aufgebaut werden:

  • Verlässliche und schrittweise verbesserte Datenbasis bildet das strategische Fundament der Bestandsentwicklung
  • Eine Definition von klaren und messbaren Zielen sowie nachvollziehbare Priorisierungskriterien helfen bei einer objektiven Entscheidungsfindung
  • Verknüpfung von Technik, Wirtschaftlichkeit, Klimawirkung und Nutzung
  • Es gilt, Standardisierungen dort konsequent anzuwenden, wo Skaleneffekte erzielt werden können, und gleichzeitig objektspezifische Tiefenanalysen dort durchzuführen, wo es die Komplexität eines Gebäudes erfordert
  • Verbindliche Governance, Verantwortlichkeiten und regelmäßige Aktualisierung der Strategie, falls nötig, helfen bei der festen Verankerung in der Unternehmensorganisation
  • Prozessuale Trennung zwischen schnell umsetzbaren Effizienzsteigerungen („Quick Wins“) und langfristig ausgelegten, tiefgreifenden Transformationsprozessen hilft gegen strukturelle Überbelastungen
  • Klimarisiko- und Vulnerabilitätsanalysen sollten bei der strategischen Entwicklung des Gebäudebestandes mitgedacht werden

10.2 Handlungsempfehlungen

Best-Practice-Beispiele dienen lediglich als methodischer Kompass und erste Orientierung und können nicht als universelle Vorlage angewendet werden. Für die nachfolgenden Handlungsempfehlungen gilt: Eine gezielte Abstimmung auf etwaige strukturelle Besonderheiten im eigenen Portfolio muss beachtet werden, um eine Wirkung erzielen zu können.

  • Eine Strukturierung des Portfolios nach relevanten Parametern wie Baualtersklasse, baulichem Zustand und energetischer Performance ist die Basis für aussagekräftige Analysen
  • Es empfiehlt sich, eine kontinuierliche und systematische Datenpflege als Kernprozess im Unternehmen zu etablieren
  • Es sollte eine klare Priorisierung von Maßnahmen angestrebt werden, welche in der ganzen Unternehmensstruktur Anklang findet (ggf. durch Partizipation am Prozess etablieren)
  • Die isolierte Betrachtung von Einzelmaßnahmen ist zu vermeiden. So erfordern beispielsweise tiefgreifende Dekarbonisierungsschritte (wie der Wechsel auf Niedertemperatur-Heizsysteme) oftmals zwingend die vorangegangene thermische Sanierung der Gebäudehülle
  • Der Einsatz von Klimarisiko- und Vulnerabilitätsanalysen ist unabdingbar, um die Widerstandsfähigkeit der Gebäude gegenüber extremen Wetterereignissen zu erhöhen
  • Falls das Portfolio, was die Nutzung betrifft, überwiegend heterogen ist, kann eine methodische Trennung in standardisierte Maßnahmen und Maßnahmen für Sonderimmobilien/historische Gebäude sinnvoll sein
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