Portfoliomanagement im Gebäudebestand

Acht unterschiedliche Wege zu einer strategischen, wirtschaftlichen und klimafitten Bestandsentwicklung

6 Österreichische Post AG

6.1 Steckbrief der Organisation

EigentümerschaftAktiengesellschaft im mehrheitlichen Eigentum der Republik Österreich
PortfoliogrößeRund 1,3 Mio. m² genutzte Fläche sowie ein umfangreiches Portfolio an betrieblich genutzten Eigenobjekten
NutzungLogistikzentren, Postbasen und gemischt genutzte Stadtobjekte
Wirtschaftliche TätigkeitLogistik, Bankgeschäft und Vermietung nicht betrieblich genutzter Flächen
Tabelle 5: Steckbrief der Österreichischen Post AGDownload: Tabelle als PNG

6.2 Rechtliche und wirtschaftliche Ausgangslage

  • Vorbereitung auf die Umsetzung der EPBD und die daraus resultierenden nationalen Anforderungen an energetisch besonders ineffiziente Nichtwohngebäude
  • EU-Taxonomie insbesondere für Neubauten und große Sanierungen (vorwiegend Logistikimmobilien)
  • Berücksichtigung relevanter Förderprogramme auf europäischer, nationaler und regionaler Ebene
  • Steigende regulatorische und gesellschaftliche Anforderungen an Klimaschutz, Energieeffizienz und nachhaltiges Wirtschaften

6.3 Ziele der Portfolioanalyse

  • Entwicklung und schrittweise Umsetzung eines CO₂-Reduktionspfades für das Immobilienportfolio bis 2027. Der Schwerpunkt der Analyse liegt auf den im Eigentum stehenden Immobilien, da hier die Umsetzung baulicher Maßnahmen unmittelbar gesteuert werden kann
  • Reduktion der CO₂-Emissionen
  • Priorisierter Ausstieg aus Ölheizungen entsprechend technischer und wirtschaftlicher Machbarkeit
  • EU-Taxonomie-Kriterien bei Neubauten und großen Sanierungen erfüllen
  • Werterhalt, Zukunftsfähigkeit und langfristige wirtschaftliche Nutzbarkeit des Immobilienbestands sichern
  • Sichere und zeitgemäße Arbeitsplätze zur Verfügung stellen

6.4 Ausgangslage des Bestands

  • Die Logistikzentren wurden überwiegend seit den frühen 2000er-Jahren errichtet bzw. umfassend modernisiert, Postbasen stammen überwiegend aus den 2010er- und 2020er-Jahren
  • Baujahre der gemischt genutzten Gebäude stammen häufig aus den 1980er- und 1990er-Jahren
  • Unterschiedliche energetische und technische Ausgangslagen bei Gebäudehülle sowie Steuerung und Regelung
  • Ältere Gebäude mit Gas oder Fernwärme; neuere mit Wärmepumpe oder Pellets
  • Logistikimmobilien entsprechen Standards nach regionaler Bauordnung. Eigene Logistikimmobilien verfügen über Aufdach-PV-Anlagen mit einer derzeitigen Leistung von rund 19,5 MWp

6.5 Herangehensweise und Methodik

Datengrundlage: CAFM-Gebäudedatenbank, Fotos, Energieausweise, Bau- und CAFM-Pläne, Anlagen- und Förderdatenbanken.

Werkzeuge: Asset Management Tool, Auswertungen in EXCEL: evaluieren im „Portfolio-Management-Tool“

Asset-Strategie: Sanierungsentscheidungen werden unter Berücksichtigung der langfristigen Nutzungsperspektive, der wirtschaftlichen Sinnhaftigkeit, regulatorischer Anforderungen sowie der jeweiligen Objektstrategie getroffen

Priorisierung: Die Priorisierung erfolgt unter Berücksichtigung von Wirtschaftlichkeit, Dekarbonisierungspotenzial und betrieblicher Relevanz

  • Strategisch: Betriebliche Notwendigkeit, Ertragspotenzial, Dringlichkeit, Quick Wins, Energieeffizienz und Förderfähigkeit
  • Energieträger:
    • Priorität 1: Vorrangige Ablösung ölbasierter Heizsysteme
    • Priorität 2: Prüfung und schrittweise Reduktion des Einsatzes fossiler Energieträger, insbesondere Erdgas, unter Berücksichtigung technischer und wirtschaftlicher Rahmenbedingungen
  • Pilotierung: Untersuchung von fünf typischen Portfolioobjekten als Grundlage für den Portfolioansatz

Erkenntnis aus Piloten: Die Pilotprojekte zeigen, dass der Einsatz effizienter Niedertemperatursysteme häufig zusätzliche Maßnahmen an Gebäudehülle und Wärmeverteilung erfordert.

Die Umsetzung erfolgt im Einklang mit den konzernweiten Nachhaltigkeits- und Investitionsstrategien sowie den etablierten Governance-Prozessen der Österreichischen Post AG.

Abbildung 11: Einsparpotenziale aus der thermischen Sanierung (z.B. Verbesserung der Gebäudehülle oder Modernisierung der Heizungs- und Regelungstechnik) typischer Portfolioobjekte; Credit: Österreichische Post AGDownload: Grafik als PNG, mit „© Österreichische Post AG“
Abbildung 12: Energiekosten und technische Ausgangslage der Pilotobjekte, Credit: Österreichische Post AGDownload: Grafik als PNG, mit „© Österreichische Post AG“
  • Szenarienanalyse/Visualisierung: z.B. Investitionspfade, Maßnahmenpakete, Ampelsystem (rot/gelb/grün) für Sanierungsdringlichkeit, Kosten/Nutzen-Verhältnis, Umsetzungsmöglichkeit

Maßnahmenplanung: Finanzierung über Förderungen, Eigenmittel und Contracting.

6.6 Ergebnisse und Erfolge

  • Die Pilotobjekte bestätigen die technische und wirtschaftliche Machbarkeit eines systematischen Dekarbonisierungspfades und liefern belastbare Kennwerte für die Priorisierung und Skalierung weiterer Maßnahmen
  • Seit 2022 wird der Ausbau von Photovoltaikanlagen auf eigenen und angemieteten Immobilien laufend vorangetrieben; die weitere Ausweitung ist vorgesehen
  • Zur Unterstützung der Sanierungsreihenfolge wird eine Ampellogik mit Szenarien entwickelt, um Prioritäten transparent und nachvollziehbar festzulegen

6.7 Lessons Learned und Empfehlungen

  • Die Wirtschaftlichkeit thermischer Sanierungen wird wesentlich durch objektspezifische Rahmenbedingungen, insbesondere bestehende Fassadenkonstruktionen und Rückbauanforderungen, beeinflusst
  • Wirtschaftlichkeit darf nicht nur über Energieeinsparungen bewertet werden; neben Energieeinsparungen sind auch Werterhalt, betriebliche Nutzbarkeit und langfristige Flexibilität des Immobilienbestands zu berücksichtigen
  • Energietechnische Abhängigkeiten (z. B. Niedertemperaturheizungen nur geeignet bei thermisch sanierten Gebäudehüllen, Verfügbarkeit von Fernwärme/Fernkälte oder Anergienetzen) frühzeitig in der Portfolioanalyse berücksichtigen
  • Die Qualität und Vollständigkeit der Bestandsdaten ist ein wesentlicher Erfolgsfaktor für belastbare Portfolioentscheidungen
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