Portfoliomanagement im Gebäudebestand

Acht unterschiedliche Wege zu einer strategischen, wirtschaftlichen und klimafitten Bestandsentwicklung

8 Stadtgemeinde Schwechat – Rathausquartier 2040

8.1 Steckbrief der Stadt

GemeindeStadtgemeinde Schwechat, Bezirk Bruck an der Leitha, Niederösterreich (südöstlich von Wien, direkt angrenzend); Sitz des Flughafens Wien und der OMV-Raffinerie
Kennzahlen der StadtRund 21.500 Einwohner:innen (Hauptwohnsitz, Stand 1.1.2026), ca. 44,7 km² Gemeindefläche; stark wachsende Stadt (in früheren Jahren rund 1.000 Neubürger:innen p. a.); rund 64 % Grünlandanteil, u. a. Anteile an den Donauauen
PortfoliogrößeRund 120 Gebäude im Untersuchungsgebiet, räumlich über das Gemeindegebiet verteilt; überwiegend im Gemeindeeigentum, ergänzt um umliegende Gebäude in Privateigentum
NutzungBildungseinrichtungen, Bürogebäude, Gesundheitseinrichtungen und weitere Dienstleistungsgebäude sowie Wohngebäude (Gemeindebauten) unterschiedlichster Baujahre und Sanierungszustände
Tabelle 7: Steckbrief der Stadtgemeinde SchwechatDownload: Tabelle als PNG

Portfolioanalyse im Rahmen des Sondierungsprojektes „Smart and Green: Pilotkonzept für das Rathausquartier Schwechat 2040“ (Kurztitel „Rathausquartier 2040“), im Rahmen des FTI-Schwerpunkts „Klimaneutrale Stadt“ des Bundesministeriums für Innovation, Mobilität und Infrastruktur (BMIMI) und des Klima- und Energiefonds (KLIEN) gefördert. Die Abwicklung erfolgt über die FFG gemeinsam mit der Austria Wirtschaftsservice Gesellschaft mbH (AWS). Laufzeit 2 Jahre.

Projektträgerschaft: AIT Austrian Institute of Technology GmbH. Weitere Projektpartner sind die Stadtgemeinde Schwechat selbst, die Technische Universität Wien und die Woschitz Engineering ZT GmbH.

8.2 Rechtliche und wirtschaftliche Ausgangslage

  • „Rathausquartier 2040“ als Teil des Klimaneutralitätsfahrplans der Stadtgemeinde Schwechat
  • Sondierungsphase ohne bauliche Maßnahmen: Ziel ist der Aufbau fundierter Entscheidungsgrundlagen für ein klimafittes Rathausquartier sowie einen klimafitten Gebäudebestand
  • Regulatorischer Rahmen aus EU-Klimazielen, EU-Taxonomie sowie niederösterreichischen und österreichischen Klimastrategien
  • Ausgangsbasis sind bereits gesetzte Schritte der Gemeinde, u. a. Photovoltaikanlagen und Sanierungen an gemeindeeigenen Gebäuden

8.3 Ziele der Portfolioanalyse

  • Identifikation von Gebäuden und Gebäudeclustern mit besonderer Eignung für kommende Sanierungstätigkeiten
  • Einbindung geeigneter Gebäude in ein nachhaltiges Anergienetz zur kostengünstigen Wärme- und Kältebereitstellung
  • Umfassende Modellierung lokaler Voraussetzungen zur Nutzung von (Ab-)Wärmequellen und Energieerzeugungspotenzialen
  • Aufbau einer datenbasierten Entscheidungsgrundlage für die klimaneutrale Entwicklung der gemeindeeigenen Liegenschaften

8.4 Ausgangslage des Bestands

  • Rund 120 Gebäude im Untersuchungsgebiet: Bildungs-, Büro-, Gesundheits- und weitere Dienstleistungsgebäude sowie Wohngebäude (Gemeindebauten)
  • Unterschiedlichste Baujahre und Sanierungszustände, räumlich über das gesamte Gemeindegebiet verteilt
  • Schwechat als eine der am stärksten wachsenden Gemeinden im Wiener Umland – Infrastruktur- und Bestandsentwicklung müssen mit dem Bevölkerungswachstum Schritt halten

8.5 Herangehensweise und Methodik

Datengrundlage: Energieabrechnungen aus dem bestehenden Monitoringsystem, Energieausweise, Auszüge aus dem allgemeinen Gebäude- und Wohnungsregister, digitales Landschaftsmodell des Bundesamtes für Eich- und Vermessungswesen, lokales Baumkataster sowie Archetypen zur technischen Beschreibung von Gebäuden außerhalb des Gemeindeeigentums.

Werkzeug: Teilautomatisiert erstelltes 3D-Simulationsmodell aller gemeindeeigenen Gebäude zur umfassenden Bewertung der Performance und des zukünftigen Energiebedarfs und der Versorgungsoptionen des Gebäudebestands.

Priorisierung: Abgleich von erwartbarem und tatsächlichem Energieverbrauch zur Identifikation von Gebäuden für Effizienzmaßnahmen; aufbauend auf räumlichen Analysen zum lokalen Energieversorgungspotential (solare Nutzung, oberflächennahe Geothermie) Identifikation von Eignungsgebieten für ein Anergienetz; Einbindung von Abwärme aus bestehenden oder künftig notwendigen Kühlsystemen sowie Maßnahmen gegen den urbanen Hitzeinsel-Effekt (z.B. Asphaltkollektoren) zur Hebung von Synergieeffekten.

Maßnahmenplanung: Berechnung kostenoptimierter Transformationspfade auf Basis des räumlichen Datenmodells, interner strategischer Ziele sowie unterschiedlicher Zukunftsszenarien für Energieträger- und Technologiekosten.

Abbildung 15:  Prozessschema der Portfolioanalyse, Credit: AIT (Erstellung der Abbildung KI-unterstützt)Download: Grafik als PNG, mit „© AIT (Erstellung der Abbildung KI-unterstützt)“

8.6 Bisherige Ergebnisse und Erfolge

  • Zusammenführung der Datenquellen zur technischen Beschreibung des Gebäudeportfolios und der Monitoring Daten in ein einheitliches Modell
  • Räumliche Visualisierung zentraler KPIs: m²-spezifische Betriebskosten, Abweichungen zu Simulationsergebnissen und Energieausweisen, gebäudespezifische Energieerzeugungspotenziale sowie Wärme- und Kältebedarfsdichten der räumlichen Gebäudecluster unter heutigen und zukünftig erwartbaren klimatischen Bedingungen
  • Kalibriertes 3D-Simulationsmodell für jedes Gebäude als belastbare Grundlage für die weitere Sanierungs- und Anergienetzplanung

8.7 Lessons Learned und Empfehlungen

  • Eine vollständig automatisierte Modellerstellung ist mit den derzeit verfügbaren Datenquellen noch nicht möglich – manuelle Qualitätssicherung bleibt notwendig
  • Kontinuierliches Energiemonitoring erhöht die Modellgenauigkeit und ermöglicht, Abweichungen der Gebäudeperformance rasch zu erkennen
  • Die technisch-ökonomische Bewertung einzelner Gebäude umliegender Gebäudecluster ist zentrale Entscheidungsgrundlage für die Ausweisung von Eignungsgebieten für ein Anergienetz
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