Konstruktion & Technik

Lösungsansätze für die größten technischen Herausforderungen in der Kreislaufwirtschaft

4 Ausbau, Sichern und Wiederverwenden

Ausbau, Sichern und Wiederverwenden von Bodenplatten

Am Kempelenpark in Wien werden gebrauchte Doppelbodenplatten beim Rückbau materialschonend ausgebaut. Nach dem Entfernen des Teppichbelags werden die Platten aufbereitet und für den Wiedereinsatz in einem anderen Projekt vorbereitet. Das Beispiel zeigt das Potenzial standardisierter, demontierbarer Bauteile – vorausgesetzt, Zustand, Ausbau, Lagerung und Logistik passen zusammen. Technische Voraussetzungen: Material in Standardgrößen – demontierbar – elementiert

Wirtschaftliche Voraussetzungen: Funktioniert bei vorhandener Infrastruktur:

Das Material kann bei vorhandener Infrastruktur vor Ort ausgebaut und aufbereitet werden. Erforderlich sind insbesondere Strom, Lift, Zufahrt, Lagermöglichkeiten und ausreichender zeitlicher Vorlauf; auch die Materialdrehung ist zu berücksichtigen.

Rechtliche Voraussetzungen: Schadstofffreie, wiederverwendbare Bauteile unterliegen nicht mehr dem Abfallrecht!

Mindset der Kund:innen

Kund:innen interessieren sich für die Wiederverwendung von Bauteilen, weil sie

  • Ressourcen schonen und
  • zugleich Kosten sparen möchten.
Abbildung 9: Schälen gebrauchter Bodenplatten. Projektbeispiel: Kempelenpark, 1100 Wien, © Lindner GroupDownload: Bild als JPG, mit „© Lindner Group“

Fazit

Das Beispiel Kempelenpark zeigt, wie standardisierte Doppelbodenplatten durch sorgfältigen Ausbau und Aufbereitung für eine weitere Nutzung gesichert werden können. Entscheidend sind ihr Zustand, geeignete Infrastruktur und eine frühzeitig organisierte Logistik; ob die Wiederverwendung wirtschaftlich ist und wie die Platten abfallrechtlich einzuordnen sind, muss im konkreten Fall geprüft werden.

4.1 Aufbereitete Bodenplatten neu einsetzen

BEITRAG von Lindner Group KG und Lindner GmbH

In der Unternehmenszentrale von Yaasa in Lannach wurden 375 m² aufbereitete Holzwerkstoff-Doppelbodenplatten eingesetzt. Das Beispiel zeigt, wie ein standardisiertes Gebrauchtprodukt nach Qualitätsprüfung und Aufbereitung in einem neuen Projekt genutzt werden kann. Entscheidend sind die Eignung für den vorgesehenen Einsatz und eine passende Oberfläche; ökologische und wirtschaftliche Vorteile können die Entscheidung zusätzlich unterstützen. Technische Voraussetzungen: Entspricht dem gewünschten Material, Oberfläche (z. B. Teppich) vollständig erneuert.

Wirtschaftliche Voraussetzungen: Preiseinsparung

Rechtliche Voraussetzungen: Eigenschaften wie bei Neuprodukten werden gewährleistet.

Mindset der Kund:innen

Kund:innen entscheiden sich aus

  • ökologischen oder
  • wirtschaftlichen Gründen für wiederverwendete Bauteile und
  • stehen dem Einsatz gebrauchter Materialien offen gegenüber,
  • haben keine Vorbehalte gegenüber gebrauchtem Material.
Abbildung 10: Gebrauchte Doppelbodenplatten. Projektbeispiel: Yaasa, 8502 Lannach, © Lindner GroupDownload: Bild als JPG, mit „© Lindner Group“

Fazit

Das Beispiel Yaasa zeigt, wie aufbereitete Doppelbodenplatten als standardisiertes Produkt in einem neuen Bauvorhaben eingesetzt werden können. Voraussetzung sind passende technische Eigenschaften und eine geeignete Oberfläche; wirtschaftliche Vorteile sind möglich, müssen aber für das konkrete Projekt geprüft werden.

4.2 Maßgefertigte Deckenplatten erneut nutzen

BEITRAG von Lindner Group KG und Lindner GmbH

Am Beispiel des Europäischen Patentamts zeigt sich, wie individuell gestaltete Deckenplatten im selben Projekt erhalten bleiben können: Sie werden sorgfältig ausgebaut, gereinigt und – je nach neuem Einsatz – wiederverwendet oder umfunktioniert. Bleiben Geometrie und Oberfläche erhalten, kann sich der Aufwand für eine Neuanfertigung verringern. Voraussetzung ist, dass die Platten auch nach dem Wiedereinbau die Anforderungen ihres Einsatzortes erfüllen.

Technische Voraussetzungen: Kann im selben Projekt weiterverwendet werden

Wirtschaftliche Voraussetzungen: Bei unveränderter Oberfläche ergibt sich ein Kostenvorteil; mit einer neuen Beschichtung der bestehenden Oberfläche ist zumindest Kostenneutralität möglich.

Rechtliche Voraussetzungen: Entspricht weiter der Bauordnung

Mindset der Kund:innen

Kund:innen und Planer:innen schätzen die Wiederverwendung

  • aus ökologischem Interesse und
  • als Thema für die interne und externe Kommunikation,
  • sofern dadurch keine oder nur vertretbare Mehrkosten entstehen.
Abbildung 11.1: Nachrüstung Heiz-Kühltechnik. Projektbeispiel: Europäisches Patentamt München, Dietrich Untertrifaller Architekten ZT GmbH, © Lindner GroupDownload: Bild als JPG, mit „© Lindner Group“
Abbildung 11.2: Nachrüstung Heiz-Kühltechnik. Projektbeispiel: Europäisches Patentamt München, Dietrich Untertrifaller Architekten ZT GmbH, © Lindner GroupDownload: Bild als JPG, mit „© Lindner Group“

Fazit

Das Beispiel des Europäischen Patentamts in München zeigt, wie maßgefertigte Deckenplatten durch sorgfältigen Ausbau, Reinigung und gegebenenfalls Anpassung im selben Projekt weitergenutzt werden können. Das erhält die gestalteten Bauteile und kann eine Neuanfertigung vermeiden – vorausgesetzt, sie erfüllen nach dem Wiedereinbau die technischen Anforderungen und der Aufwand bleibt wirtschaftlich vertretbar.

4.3 Designbauteile erhalten und neu inszenieren

BEITRAG von Lindner Group KG und Lindner GmbH

Maßgefertigte Bauteile sind mehr als die Summe ihrer Materialien und der darin gespeicherten grauen Energie. Durch ihre Gestaltung, ihre Geschichte und ihre Verbindung zu einem Ort können sie Erinnerungen und Identität bewahren. Dieser ideelle Mehrwert – hier als „Goldene Energie“ bezeichnet – geht verloren, wenn die Bauteile allein als Material betrachtet werden.

Die Beispiele von Vitra und den neu bespannten Lindner-Wandabsorbern zeigen, wie sich bestehende Designbauteile durch Aufbereitung weiterverwenden lassen. Architektur kann ihnen einen passenden neuen Platz geben und ihre gestalterischen Qualitäten bewusst in Szene setzen. Voraussetzung sind ein sorgfältiger Ausbau, eine geeignete neue Verwendung und die Erfüllung der technischen und rechtlichen Anforderungen.

Technische Voraussetzungen: Material in passender Größe, demontierbar und elementiert.

Wirtschaftliche Voraussetzungen: Mehrwert durch die „Goldene Energie“.

Rechtliche Voraussetzungen: Es gelten die Anforderungen an Gewährleistung und Bauordnung; die Wiederverwendung ist unter diesen Voraussetzungen möglich (siehe „Ernten“).

Kund:innen

  • möchten Ressourcen schonen und
  • schätzen zugleich die gestalterische Qualität und
  • Geschichte wiederverwendeter Designbauteile.
Abbildung 12: Metallabsorber werden mit neuem Stoff bespannt. Projektbeispiel: Lindner Wandabsorber, © Lindner GroupDownload: Bild als JPG, mit „© Lindner Group“
Abbildung 13: Kreislaufwirtschaft Vitra, Quelle: Nachhaltigkeit bei Vitra1, Fortschrittsbericht 2025Download: Grafik als JPG

Fazit

Die Wiederverwendung maßgefertigter Designbauteile erhält nicht nur Material und graue Energie, sondern auch ihren gestalterischen und ideellen Wert. Durch sorgfältige Aufbereitung und einen bewussten Wiedereinsatz kann Architektur diese „Goldene Energie“ sichtbar machen.

4.4 Bestandsmaterial vor Ort weiterverwenden

BEITRAG von Dietrich Untertrifaller Architekten ZT GmbH

Beim Ersatzneubau des Hinteralmhauses in Neuberg an der Mürz werden Materialien aus der alten Hütte für den Holzbau und weitere Bauteile wiederverwendet. Auch mineralisches Rückbaumaterial wurde vor Ort aufbereitet und erneut eingesetzt; der Aushub konnte nach fachlicher Bewertung ohne Abtransport am Standort verbleiben. Das Beispiel zeigt, wie zirkuläres Bauen selbst an einem abgelegenen Standort gelingen kann, wenn wiederverwendbare Materialien früh erkannt, getrennt rückgebaut und ihre Aufbereitung und Lagerung mitgeplant werden.

Technische Voraussetzungen:

  • Das Bestandsprojekt ist sortenrein rückzubauen. Zu prüfen ist, ob die Aufbereitung vor Ort möglich ist – einschließlich Flächen, Lagerung, Werkzeugen und geschützten Arbeitsbereichen – oder in einer stationären Werkstatt erfolgen muss. Dabei sind zusätzliche Transportwege und Lagermöglichkeiten zu berücksichtigen.
  • Prüfung und Bewertung des Materials auf Potenzial und Eignung zur Wiederverwendung.

Wirtschaftliche Voraussetzungen: mit goldener Energie – Mehrwert

Rechtliche Voraussetzungen:

  • Schadstofffrei, das Material darf nicht kontaminiert sein. Rückbau: ÖN B 3151, Abfallrecht, Abfallende (Stellungnahme des UW-Ministeriums)
  • Umweltschutz, Arbeitsrecht

Mindset der Kund:innen

Kund:innen möchten aus

  • ökologischem und gesellschaftlichem Interesse Ressourcen schonen und
  • vorhandene Materialien wertschätzen,
  • statt sie beim Rückbau zu entsorgen.
Abbildung 14: Projektbeispiel: DTFLR Ersatzneubau Hinteralmhaus © Barbara Fink-HauerrDownload: Bild als JPG, mit „© Barbara Fink-Hauerr“
Abbildung 15: Projektbeispiel: DTFLR Ersatzneubau Hinteralmhaus ©DTFLRDownload: Bild als JPG, mit „© DTFLR“
Abbildung 16: Projektbeispiel: DTFLR Ersatzneubau Hinteralmhaus ©DTFLRDownload: Bild als JPG, mit „© DTFLR“

Fazit

Das Hinteralmhaus zeigt, wie Materialien aus einem Bestandsgebäude beim Ersatzneubau weiterverwendet werden können. Entscheidend sind die frühzeitige Prüfung ihrer Eignung, ein möglichst sortenreiner Rückbau sowie geeignete Flächen und Arbeitsbedingungen für Lagerung und Aufbereitung vor Ort. Wo eine Bearbeitung am Standort nicht möglich ist, müssen Werkstattaufwand und zusätzliche Transportwege berücksichtigt werden. So können nicht nur Ressourcen, sondern auch die Geschichte und Identität des Gebäudes erhalten bleiben – vorausgesetzt, die technischen, wirtschaftlichen und rechtlichen Anforderungen sind erfüllt.

4.5 Holzbeläge und Holzbauteile weiterverwenden

BEITRAG von BauKarussell e.Gen.

Holzbauteile und Holzobjekte eignen sich besonders für die Wiederverwendung im Sinne der Kreislaufwirtschaft. Je nach Art des Bauteils, der ursprünglichen Montage und dem Zustand des Materials können sowohl Beläge wie Akustikpaneele und Parkettböden als auch ganze Holzobjekte geerntet, aufbereitet und in neuen Projekten wieder eingesetzt werden.

Voraussetzung dafür sind die Abklärung von Schadstoffbelastungen durch z. B. Oberflächenbehandlungen, ein strukturierter Rückbau, eine sorgfältige Qualitätsprüfung und die Berücksichtigung technischer, wirtschaftlicher und rechtlicher Rahmenbedingungen.

Die genannten Beispiele liegen in Wien, Graz, Loosdorf und Villach: Holz-Akustikpaneele aus der Technisch-Gewerblichen Abendschule Wien wurden im Circular Center Wien Energie wiederverwendet. Eichenparkett aus der Otto-Möbes-Akademie in Graz und dem Werkstättenareal Loosdorf kam im magdas HOTEL zum Einsatz; Holzbauteile aus der Hensel-Kaserne in Villach wurden von einer regionalen Zimmerei für eine Halle weiterverwendet.

Technische Voraussetzungen: Die Möglichkeit des Wiedereinsatzes hängt maßgeblich von der Montage- bzw. Verlegeart, der Qualität des Rückbaus und dem Zustand des Materials ab.

  • Akustikpaneele aus Holz können wiederverwendet werden, wenn sie mit rückbaubaren Befestigungssystemen montiert wurden. Nach der Demontage werden die Elemente gereinigt, zugeschnitten und in gleicher Funktion an einem anderen Standort erneut montiert.
  • Parkettböden sind insbesondere dann für den Wiedereinsatz geeignet, wenn sie vernagelt oder nur leicht verklebt wurden. Im Rahmen einer Probedemontage wird geprüft, ob ein zerstörungsfreier Rückbau möglich ist; Nut und Feder müssen erhalten bleiben. Vollholzparkett kann nach dem Wiedereinbau abgeschliffen und die Oberfläche neu veredelt werden.
  • Holzobjekte und Tragwerksbauteile erfordern einen strukturierten Rückbau sowie ausreichende Lager- und Logistikmöglichkeiten. Vor dem Wiedereinsatz sind Zustand, Verwitterung und Schadstoffbelastung des Materials zu prüfen.

Wirtschaftliche Voraussetzungen: Die Wiederverwendung von Holz kann sowohl für das Spendergebäude als auch für die Abnehmer:innen wirtschaftliche Vorteile bringen.

  • Holz stellt bei einem konventionellen Abbruch bzw. einer Sanierung eine getrennt zu erfassende Fraktion dar und muss teilweise vor dem maschinellen Rückbau entfernt werden. Erfolgt die Demontage zerstörungsarm, kann dies Entsorgungskosten reduzieren und hochwertige Materialien für eine weitere Nutzung sichern.
  • Bei Parkettböden kann ein Kostenvorteil entstehen, wenn der Ausschuss gering bleibt und die Demontage wirtschaftlich durchgeführt werden kann. Gleichzeitig werden Kosten für Entsorgung und Neubeschaffung reduziert.
  • Altholz und hochwertige Holzbauteile sind am Markt oft nur begrenzt verfügbar und erzielen hohe Preise. Dennoch sollte die Wirtschaftlichkeit eines selektiven Rückbaus im Vorfeld sorgfältig kalkuliert werden.

Rechtliche Voraussetzungen: Für alle Holzbauteile sind die geltenden bautechnischen Vorschriften einzuhalten.

  • Vor einer Weitergabe oder Wiederverwendung ist eine mögliche Belastung durch Schadstoffe zu prüfen.
  • Die Qualitätsanforderungen des jeweiligen Einsatzbereichs müssen erfüllt werden.
  • Wiederverwendete Materialien werden in der Regel durch die Abnehmer:innen geprüft und gegebenenfalls nachbearbeitet. Ausschuss ist dabei möglich.

Mindset der Kund:innen

Die Wiederverwendung von Holzbauteilen wird in erster Linie durch

  • ökologische und ökonomische Überlegungen motiviert.
  • Neben der Einsparung von Ressourcen und
  • der Reduktion von Abfällen spielen auch
  • finanzielle Vorteile eine Rolle.
  • Darüber hinaus gewinnt die interne und externe Kommunikation von Kreislaufwirtschaftsmaßnahmen für Bauherrschaften, Planer:innen und Unternehmen zunehmend an Bedeutung.


Projektbeispiele

Holz-Akustikpaneele

  • Ausbau und Sicherung: Technisch-Gewerbliche Abendschule Wien
  • Wiedereinsatz: Circular Center Wien Energie
  • Planung: Architekt Nikolas Kichler (Vivihouse)

Die Paneele wurden zerstörungsfrei demontiert, gereinigt, zugeschnitten und in derselben Funktion in einem neuen Projekt wieder eingebaut.

Vollholzparkett

  • Ausbau und Sicherung: Eichenvollholzparkett aus der Otto-Möbes-Akademie Graz und dem Werkstättenareal Loosdorf
  • Wiedereinsatz: magdas HOTEL, in Kooperation mit den materialnomaden

Die rückgebauten Parkettelemente wurden aufbereitet und nach entsprechender Bearbeitung erneut eingesetzt.

Holzobjekte und Altholz

Ausbau und Sicherung: Hensel-Kaserne Villach

Wiedereinsatz: Regionale Zimmerei zur Errichtung einer Halle

Der strukturierte Rückbau ermöglichte die Gewinnung hochwertiger Altholzbauteile und deren Weiterverwendung in einem neuen Bauvorhaben.

Abbildung 17: Systematischer Rückbau von hölzernen Fahrzeugunterständen in der Henselkaserne Villach durch eine lokale Zimmerei © BauKarussell e. GenDownload: Bild als JPG, mit „© BauKarussell e. Gen“
Abbildung 18: Zerstörungsfreier Ausbau von Eichenmassivholzparkett durch sozialökonomische Einrichtungen für den Wiedereinsatz im magdas HOTEL, in Kooperation mit den materialnomaden © www.haschek.euDownload: Bild als JPG, mit „© www.haschek.eu“

Fazit

Die Beispiele aus Wien, Graz, Loosdorf und Villach zeigen, dass sich Holz-Akustikpaneele, Vollholzparkett und ganze Holzbauteile in neuen Projekten weiterverwenden lassen. Entscheidend sind ein möglichst zerstörungsfreier Ausbau, die Prüfung von Zustand und Schadstoffbelastung sowie eine frühzeitig organisierte Aufbereitung und Logistik. Ob sich die Wiederverwendung auch wirtschaftlich lohnt, hängt insbesondere vom Ausbauaufwand, dem Ausschuss und dem Wert des erhaltenen Bauteils ab.

4.6 Mineralische Beläge, Terrazzo und Sanitärkeramik weiterverwenden

BEITRAG von BauKarussell e.Gen.

Mineralische Beläge und Sanitärkeramik bieten vielfältige Möglichkeiten für die Wiederverwendung im Sinne der Kreislaufwirtschaft. Während bei mineralischen Belägen, insbesondere Terrazzoböden, die Qualität des Rückbaus und der Aufwand für die Aufbereitung entscheidend sind, lassen sich Sanitärgegenstände bei guter Erhaltung häufig direkt nach Reinigung und Prüfung erneut einsetzen. Voraussetzungen für einen erfolgreichen Wiedereinsatz sind die technische Eignung, die wirtschaftliche Machbarkeit, die Abklärung möglicher Schadstoffe in Verbindungsmitteln wie Fliesenklebern sowie die Einhaltung der geltenden rechtlichen Anforderungen.

Die genannten Beispiele verbinden Wien, Graz und Loosdorf: Terrazzoplatten aus der Technisch-Gewerblichen Abendschule in Wien wurden für das Circular Center Wien Energie aufbereitet. Sanitärgegenstände aus Wien, der Otto-Möbes-Akademie in Graz und dem Werkstättenareal Loosdorf fanden unter anderem in der Tennenmälzerei Graz und in Privathaushalten eine neue Verwendung.

Technische Voraussetzungen: Die Wiederverwendung hängt maßgeblich von einem möglichst zerstörungsfreien Rückbau und dem Erhalt der funktionalen und ästhetischen Qualität der Bauteile ab.

  • Terrazzoböden können wiederverwendet werden, wenn ein zerstörungsfreier Ausbau möglich ist und die Platten beim Rückbau unbeschädigt bleiben. Da die Wiederverwendung häufig eine aufwendige Entfernung von Mörtelresten erfordert, empfiehlt sich im Vorfeld eine Probedemontage zur Beurteilung der Rückbaubarkeit.
  • Sanitärgegenstände wie Waschbecken, WCs oder Urinale können bei gutem Erhaltungszustand demontiert, gereinigt und erneut eingebaut werden. Besonderes Augenmerk ist auf die zugehörigen Anschlüsse und Befestigungssysteme zu legen, da Ersatzteile bei älteren Produkten oftmals nur eingeschränkt verfügbar sind.

Wirtschaftliche Voraussetzungen: Die Wirtschaftlichkeit der Wiederverwendung unterscheidet sich je nach Bauteilgruppe erheblich.

  • Bei Terrazzoböden können die Kosten für Rückbau, Reinigung und Aufbereitung höher ausfallen als die Anschaffung neuer Produkte. Insbesondere die Entfernung von Mörtelresten ist arbeitsintensiv und Terrazzo stellt im Rückbau keinen problematischen Störstoff dar. Da er oft eine hohe gestalterische Qualität besitzt, kann eine Wiederverwendung dennoch sinnvoll sein.
  • Bei Sanitärkeramik ergibt sich häufig ein wirtschaftlicher Vorteil gegenüber der Neubeschaffung. Die Kosten für Demontage, Transport, Reinigung und gegebenenfalls Lagerung sind jedoch in die Gesamtbetrachtung einzubeziehen.

Rechtliche Voraussetzungen: Für den Wiedereinsatz gelten die allgemeinen bautechnischen Anforderungen und produktspezifischen Vorschriften.

  • Wiederverwendete Terrazzobeläge können in den Re-Use-Kreislauf überführt werden, wenn ihre technischen Eigenschaften erhalten bleiben und keine Schadstoffbelastung vorliegt.
  • Bei Sanitärgegenständen sind insbesondere die geltenden Anforderungen an Hygiene, Sicherheit und Barrierefreiheit zu berücksichtigen. Vor dem Wiedereinbau ist zu prüfen, ob die Produkte den Anforderungen des jeweiligen Einsatzbereichs entsprechen.

Mindset der Kund:innen

Kund:innen entscheiden sich vor allem aus

  • Umweltgründen für wiederverwendete Bodenbeläge und Sanitärgegenstände:
  • Sie möchten gut erhaltene Materialien weiter nutzen,
  • Ressourcen schonen und Abfall vermeiden.
  • Bei Waschbecken oder WCs können auch geringere Kosten eine Rolle spielen.
  • Für Bauherr:innen und Planer:innen ist es zudem wichtig, die Wiederverwendung im Projekt sichtbar zu machen und darüber zu informieren.

Projektbeispiele

Terrazzoboden

  • Ernte: Technisch-Gewerbliche Abendschule Wien
  • Wiedereinsatz: Circular Center Wien Energie
  • Planung: Architekt Nikolas Kichler (Vivihouse)

Die Terrazzoplatten wurden sorgfältig rückgebaut, gereinigt und für den Wiedereinsatz aufbereitet. Ausschlaggebend für den Erfolg war die hohe Qualität der Demontage sowie die anschließende Entfernung der Mörtelreste.

Sanitärgegenstände

  • Ernte: Technisch-Gewerbliche Abendschule Wien, Otto-Möbes-Akademie Graz sowie Werkstättenareal Loosdorf
  • Wiedereinsatz: Tennenmälzerei Graz sowie zahlreiche Privathaushalte. Planung der Tennenmälzerei: Breathe Earth Collective
Abbildung 19: Ernte von Sanitärgegenständen in der Technisch-Gewerblichen Abendschule für den Wiedereinsatz in der Tennenmälzerei Graz, Planung: Breathe Earth Collective, Graz © BauKarussell e. GenDownload: Bild als JPG, mit „© BauKarussell e. Gen“

Die geernteten Waschbecken, WCs und weiteren Sanitärgegenstände wurden gereinigt, geprüft und in neuen Nutzungskontexten wieder eingebaut. Dadurch konnten funktionstüchtige Produkte vor der Entsorgung bewahrt und wertvolle Ressourcen erhalten werden.

Fazit

Die Beispiele aus Wien, Graz und Loosdorf zeigen, dass Terrazzoplatten und Sanitärgegenstände in neuen Projekten weiterverwendet werden können. Entscheidend sind ein sorgfältiger Ausbau, die Prüfung von Zustand und Eignung sowie eine Aufbereitung, deren Aufwand zum Wert der Bauteile passt. So lassen sich Ressourcen schonen und Abfälle vermeiden; insbesondere bei Sanitärgegenständen können auch Kostenvorteile entstehen.

4.7 Kabeltrassen neu nutzen und gestalten

BEITRAG von BauKarussell e.Gen.

Kabeltrassen lassen sich nach fachgerechter Stromabschaltung in der Regel mit geringem Aufwand demontieren. Aufgrund ihrer robusten Materialeigenschaften eignen sie sich auch für eine kreative Weiterverwendung (Repurpose), etwa als Gestaltungselemente oder für neue funktionale Anwendungen außerhalb ihres ursprünglichen Einsatzzwecks – etwa als Fassadenelement oder Regal. Ein Beispiel dafür ist das Circular Center der Wien Energie in Wien: Dort wurden Kabeltrassen aus der Technisch-Gewerblichen Abendschule Wien für die Fassadengestaltung weiterverwendet. Entscheidend sind ein sicherer Rückbau sowie die technische Eignung für die neue Funktion.

Technische Voraussetzungen: Die Möglichkeiten der Wiederverwendung hängen vom Zustand der Kabeltrassen sowie von den geltenden technischen und rechtlichen Anforderungen ab. Während ein direkter Wiedereinsatz als Kabeltrasse oft eingeschränkt ist, eignen sich die Bauteile sehr gut für Repurpose-Anwendungen.

Wirtschaftliche Voraussetzungen: Da Kabeltrassen als Neuprodukte vergleichsweise kostengünstig verfügbar sind, ergibt sich durch Rückbau, Lagerung und Wiedereinsatz im ursprünglichen Verwendungszweck meist kein wirtschaftlicher Vorteil. Im konventionellen Rückbau verursachen sie nur geringe Entsorgungskosten, da es sich um einen Wertstoff handelt. Der Mehrwert liegt daher häufig eher in einer hochwertigen Weiterverwendung oder Umnutzung.

Rechtliche Voraussetzungen: Beim Wiedereinsatz sind die geltenden bautechnischen Vorschriften zu beachten. Insbesondere die Einhaltung von Brandschutzanforderungen kann einen direkten Wiedereinsatz als Kabeltrasse erschweren oder ausschließen. Führt man Materialien einer neuen Nutzung zu (Repurpose), sind die einschlägigen Bestimmungen für das Inverkehrbringen von Produkten (CE-Kennzeichnung) zu beachten.

Mindset der Kund:innen

Die Wiederverwendung von Kabeltrassen wird vor allem durch

  • ökologische Überlegungen sowie den
  • Wunsch nach einer sichtbaren Umsetzung von Kreislaufwirtschaft motiviert.
  • Das ehemals rein technische Bauteil bekommt eine neue Aufgabe und macht
  • die Nachhaltigkeitsidee des Projekts für Nutzer:innen und Besucher:innen unmittelbar erkennbar.
  • Ein Potenzial für die interne und externe Kommunikation von Nachhaltigkeitsmaßnahmen bei Bauherrschaften, Planer:innen und Nutzer:innen.

Projektbeispiele

  • Ausbau und Sicherung: Technisch-Gewerbliche Abendschule Wien
  • Wiedereinsatz: Fassadengestaltung des Circular Center Wien Energie
  • Planung: Architekt Nikolas Kichler (ViviHouse)

Ein weiteres Beispiel ist ein Konzept zur Umnutzung von Kabeltrassen zu Regalsystemen durch studio blass & orange, wodurch aus einem technischen Bauteil ein funktionales und gestalterisch hochwertiges Möbelstück entstand.

Abbildung 20: Fassade des Circular Center der Wien Energie, ausgestattet mit wiederverwendeten Kabeltrassen aus der Technisch-Gewerblichen Abendschule, Planung: Arch. Nikolas Kichler (vivihouse) © vivihouseDownload: Bild als JPG, mit „© vivihouse“

Fazit

Kabeltrassen können auch dann wertvoll bleiben, wenn sie nicht mehr für Leitungen gebraucht werden. Das Beispiel am Circular Center Wien Energie zeigt, wie aus einem technischen Bauteil ein sichtbares Gestaltungselement wird. Voraussetzung sind ein sicherer Ausbau und die Prüfung, ob das Material für seine neue Aufgabe geeignet ist.

4.8 Altes Fensterglas wird neues Designglas

BEITRAG von Urban Matter FlexCo.

Flachglas aus alten Fenstern und Fassaden muss nach dem Rückbau nicht verloren gehen: Es kann aufbereitet und für neue Produkte genutzt werden. Urban Matter sammelt dafür Verglasungen aus Rückbau- und Sanierungsprojekten in Österreich und verarbeitet sie zu „ReFloat“. Aus diesem Basisglas entstehen neue Produkte, darunter Einscheiben-Sicherheitsglas. Laut Urban Matter verursacht die Herstellung von ReFloat rund 90 % weniger CO₂-Emissionen als die Herstellung herkömmlichen Flachglases. Die hochwertige Weiternutzung kann außerdem Energie und Primärrohstoffe sparen.

Wie das praktisch aussieht, zeigt ein Kosmetikstudio in Wien. Gemeinsam mit dem Tischlermeister Rudolf Schwarzl, Mitbegründer der Bauteilbörse Graz, hat Urban Matter dort eine Innentrennwand aus Altholzrahmen und „ReFloat ESG“ entwickelt. Die Segmente lassen sich an das verfügbare Material anpassen; Schraubverbindungen ermöglichen es, die Konstruktion später wieder zu zerlegen. Das Beispiel zeigt zugleich, was für einen funktionierenden Flachglas-Kreislauf nötig ist: Rückbau, Qualitätsprüfung, Verarbeitung und neuer Einsatz müssen aufeinander abgestimmt werden. Dafür braucht es neue Abläufe und Zusammenarbeit entlang der gesamten Wertschöpfungskette.

Projektbeispiele

Technische Voraussetzungen: Das Altglas muss getrennt erfasst und so aufbereitet werden, dass es hochwertig genutzt werden kann. Ob dadurch insgesamt Emissionen eingespart werden, sollte einschließlich Verarbeitung, Transport und neu benötigter Materialien mit einer passenden Alternative verglichen werden.

Wirtschaftliche Voraussetzungen: Sammlung, Trennung, Aufbereitung, Prüfung und Transport müssen finanzierbar sein und zu einer verlässlichen Nachfrage nach dem neuen Produkt passen. Gerade Transportkosten können die Wirtschaftlichkeit von Flachglasrezyklat erheblich beeinflussen.

Rechtliche Voraussetzungen: Der Umgang mit den ausgebauten Verglasungen muss abfallrechtlich geklärt sein. Das neue Glasprodukt und sein Einbau müssen die Anforderungen des vorgesehenen Einsatzortes erfüllen; bei Einscheiben-Sicherheitsglas sind insbesondere die maßgeblichen Produkteigenschaften zu prüfen und nachzuweisen.

Mindset der Kund:innen

Kund:innen schätzen die

  • sichtbare Wiederverwendung von Glas, wenn sie mit guter Gestaltung und verlässlicher Qualität verbunden ist.
  • Neben der Ressourcenschonung zählt für sie, dass das
  • neue Produkt zum Projekt passt und der Mehraufwand wirtschaftlich vertretbar bleibt.
Abbildung 21: Projektbeispiel: Kosmetikstudio in Wien © Urban MatterDownload: Bild als JPG, mit „© Urban Matter“

Fazit

Das Kosmetikstudio in Wien zeigt, wie aufbereitetes Fensterglas in einem neuen, rückbaubaren Bauteil eingesetzt werden kann. Damit daraus ein tragfähiger Flachglas-Kreislauf entsteht, müssen Rückbau, Sammlung, Qualitätsprüfung, Verarbeitung und Wiedereinbau zusammenwirken.

4.9 Garagenleuchten modernisieren statt ersetzen (Use und Post-use)

BEITRAG von LichtAgent GmbH

In einer BUWOG-Garage in 1140 Wien wurden bestehende Wannenleuchten modernisiert, statt sie vollständig auszutauschen. Bei 20 von 100 Leuchten blieben Gehäuse, Montage und Verkabelung erhalten; die Geräteeinsätze wurden mit neuer Platine und einstellbarem Konverter umgerüstet. Nach den vorliegenden Projektangaben sank die Leistungsaufnahme bei gleicher Lichtausbeute von 42 auf 28 W. Das Beispiel verbindet die längere Nutzung der Leuchten am Standort (Use) mit der möglichen Aufarbeitung und Weiterverwendung ausgebauter Komponenten (Post-Use).

Technische Voraussetzungen:

Gehäuse, Befestigung und bestehende Verkabelung müssen für die Umrüstung geeignet sein. Neue LED-Platine und Konverter müssen sicher eingebaut werden können; anschließend sind elektrische Sicherheit, Wärmeentwicklung und die erforderliche Beleuchtungsqualität der Garage zu prüfen. Nicht normgerecht befestigte oder fest verschweißte Bestandskomponenten können den Umbau erschweren.

Wirtschaftliche Voraussetzungen:

Der Aufwand für Prüfung, Umbau und gegebenenfalls Anpassungen muss gegen den Austausch kompletter Leuchten gerechnet werden. Vorteile können durch den geringeren Energieverbrauch sowie vermiedene Kosten für neue Gehäuse, Verkabelung, Montage und Entsorgung entstehen. Auch Garantie, Ersatzteilverfügbarkeit und Wartungsaufwand gehören in die Kalkulation.

Rechtliche Voraussetzungen:

Die Umrüstung muss durch eine verantwortliche Fachkraft erfolgen und die geltenden elektrotechnischen und lichttechnischen Anforderungen erfüllen. Der Austausch von Platine und Konverter ist nicht bloß ein Leuchtmittelwechsel: Bestandsgehäuse und neuer LED-Einsatz müssen als Kombination geprüft und die Konformität dokumentiert werden. Vorhandene Kennzeichnungen wie die CE-Kennzeichnung dürfen nicht ungeprüft für die umgebaute Leuchte übernommen werden.

Mindset der Kund:innen

Kund:innen möchten ihre Garagenbeleuchtung

  • energieeffizient modernisieren,
  • ohne funktionstüchtige Leuchten vollständig zu ersetzen.
  • Wichtig sind ihnen geringere Betriebs- und Umbaukosten,
  • möglichst wenig Abfall sowie
  • eine zuverlässige Lösung, die im laufenden Betrieb wenig Aufwand verursacht.
Tabelle 5: Was kostet ein Watt Einsparung/Leuchte über die Nutzungsdauer von 50.000 h?Download: Tabelle als PNG
Abbildung 22: Projektbeispiel: BUWOG Garage 1140 Wien © LichtAgent GmbHDownload: Bild als JPG, mit „© LichtAgent GmbH“

Fazit

Die Garagenbeleuchtung in 1140 Wien zeigt, dass bestehende Leuchten durch den gezielten Austausch einzelner Komponenten weitergenutzt werden können. So lassen sich Material und Montageaufwand sparen und der Stromverbrauch senken – vorausgesetzt, die umgerüsteten Leuchten erfüllen weiterhin alle technischen und rechtlichen Anforderungen.

  1. https://static.vitra.com/static/external/vitra-bhag/assets/Vitra-Fortschrittsbericht-2025-DE.8ee1d54d.pdf Zurück zum Verweis
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