Vom Stellplatz zur Mehrwertfläche
Parkgaragen im Wandel
7 Fazit und Ausblick
Die Arbeitsgruppe hat gezeigt, dass „die Garage“ keine einheitliche Typologie ist. Garagenpark, Innenhofparken, Hochgarage, Tiefgarage und Parken im Erdgeschoss unterscheiden sich deutlich in Tragstruktur, Lage, Belichtung, Erschließung, Eigentum und rechtlicher Bindung. Entsprechend unterscheiden sich auch die sinnvollen Transformationsstrategien – und damit die jeweiligen wirtschaftlichen Potenziale und Business Cases.
Gemeinsam ist allen Typologien jedoch eine zentrale Erkenntnis: Die Zukunftsfähigkeit entsteht nicht erst durch die spätere Umnutzung, sondern bereits durch die Qualität der ursprünglichen Planung. Raumhöhe, Tragstruktur, Belichtung, Erschließung, technische Infrastruktur, Brandschutz und rechtliche Rahmenbedingungen entscheiden darüber, ob eine Fläche später flexibel reagieren kann. Diese Eigenschaften bestimmen damit nicht nur die architektonische Anpassungsfähigkeit, sondern auch die wirtschaftlichen Kosten, Risiken und Chancen einer späteren Transformation.
Für den Bestand bedeutet dies, vorhandene Qualitäten möglichst lange weiterzuverwenden und Eingriffe auf die tatsächlich notwendigen Maßnahmen zu konzentrieren. Der Business Case einer Transformation entsteht dabei nicht zwingend durch eine vollständige Umnutzung. Zwischen-, Mehrfach- und Mischnutzungen können bereits heute zusätzlichen Wert schaffen, etwa durch Vermietung, gemeinschaftliche Nutzungen, Logistik, Lagerung oder neue Mobilitätsangebote. Entscheidend ist, Investitionsaufwand und erzielbaren Mehrwert über den Lebenszyklus gemeinsam zu betrachten.
Für den Neubau verschiebt sich die Perspektive von der reinen Stellplatzproduktion hin zur Lebenszyklus- und Wertplanung. Wenn eine Garage unvermeidbar ist, sollte sie so geplant werden, dass sie auf veränderte Mobilitätsbedürfnisse reagieren und langfristig andere Nutzungen aufnehmen kann. Eine höhere Anfangsinvestition – beispielsweise für größere Raumhöhen, zusätzliche Belichtung, flexible Tragstrukturen oder technische Reserven – kann dabei als Investition in zukünftige Nutzbarkeit und Risikominimierung verstanden werden.
Gleichzeitig bleibt die Frage nach dem tatsächlichen Bedarf zentral: Nicht jeder technisch mögliche Stellplatz ist automatisch ein sinnvoller wirtschaftlicher Business Case. Leerstand, hohe Errichtungskosten, laufende Betriebskosten und eine langfristig veränderte Nachfrage können die Wirtschaftlichkeit von Stellplatzflächen zunehmend beeinflussen. Umgekehrt können gut geplante und transformierbare Flächen neue Einnahmequellen und Nutzungsoptionen erschließen.
Damit verändert sich die zentrale Fragestellung: Aus „Was machen wir mit der Garage, wenn wir sie nicht mehr brauchen?“ wird die frühere und produktivere Frage: „Wie planen wir Stellplatzflächen so, dass sie über ihren gesamten Lebenszyklus einen wirtschaftlichen, ökologischen und sozialen Wert erzeugen können?“
Die Garage wird damit nicht mehr nur als notwendige Infrastruktur für das Auto verstanden, sondern als langfristig entwicklungsfähiger Raum und potenzieller Business Case. Entscheidend ist nicht, eine bestimmte Nachnutzung vorherzusagen, sondern die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass zukünftige Nutzungen mit möglichst geringem Aufwand und vertretbarem Risiko möglich werden.
Parkgaragen sind gebauter Bestand auf Vorrat: Beton, Fläche und Infrastruktur für ein Mobilitätsmodell, das sich grundlegend verändert. Während manche Stellplätze bereits leer stehen, werden andernorts weiterhin Flächen für den ruhenden Verkehr geplant. Die Frage ist daher: Was passiert, wenn wir diese Stellplätze nicht mehr brauchen?
Damit berührt die Arbeitsgruppe „Vom Stellplatz zur Mehrwertfläche: Parkgaragen im Wandel“ den IG-Lebenszyklus-Schwerpunkt 2026 „Bestand als Business Case“. Bestand bedeutet dabei nicht nur Erhalt, sondern vor allem, vorhandene Strukturen weiterzuentwickeln und neue Werte aus ihnen zu schaffen.
Auch ökologisch ist diese Frage relevant: Rund 1.240 km² sind in Österreich durch Verkehrsflächen versiegelt – etwa die dreifache Fläche Wiens (vgl. ÖROK-Monitoring Flächeninanspruchnahme und Versiegelung (2025); Datengrundlage: Umweltbundesamt).
Parkgaragen können vom Endpunkt zum Möglichkeitsraum werden: durch Umnutzung im Bestand und Reversibilität im Neubau. Diese Publikation zeigt, wie daraus langfristig neue Mehrwertflächen entstehen können.
- Parkgarage ist nicht gleich Parkgarage: Garagenpark, Innenhofparken, Hochgarage, Tiefgarage und Erdgeschossparken erfordern jeweils unterschiedliche Transformationsstrategien.
- Die spätere Umnutzbarkeit wird wesentlich bereits bei der ursprünglichen Planung bestimmt – insbesondere durch Raumhöhe, Tragstruktur, Belichtung, Erschließung und technische Infrastruktur.
- Mehrwert muss nicht erst durch eine vollständige Umnutzung entstehen: Zwischen-, Mehrfach- und Mischnutzungen können bestehende Stellplatzflächen schon heute wirtschaftlich und funktional aufwerten.
- Im Neubau sollten Garagen nicht ausschließlich für den aktuellen Stellplatzbedarf, sondern als langfristig anpassbare Flächenreserve geplant werden.
- Höhere Anfangsinvestitionen in flexible Tragstrukturen, ausreichende Raumhöhen, Belichtung und technische Reserven können die zukünftige Nutzbarkeit erhöhen und Transformationsrisiken reduzieren.
- Die Wirtschaftlichkeit von Stellplätzen sollte über den gesamten Lebenszyklus betrachtet werden – einschließlich Errichtung, Betrieb, möglicher Umnutzung und Rückbau.
- Insbesondere Tiefgaragen verursachen durch Aushub und materialintensive Konstruktionen hohe graue Emissionen, weshalb der tatsächliche Stellplatzbedarf frühzeitig hinterfragt werden sollte.
- Rechtliche Rahmenbedingungen und Stellplatzverpflichtungen können eine Umnutzung stärker einschränken als die bauliche Struktur und müssen daher frühzeitig in die Planung einbezogen werden.
- Lage und Umfeld sind entscheidend: Innerstädtische, zentrale und gut erschlossene Garagen bieten andere Transformationspotenziale als Stellplätze in peripheren oder ländlichen Gebieten.
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