Vom Stellplatz zur Mehrwertfläche
Parkgaragen im Wandel
5 Übergreifende Erkenntnisse für den Neubau
- Nicht nur für den heutigen Stellplatzbedarf planen
Die spätere Nutzung sollte bereits in der Grundriss-, Tragwerks- und Erschließungsplanung mitgedacht werden. - Raumhöhen und Tragstruktur qualifizieren
Ausreichende lichte Höhen, robuste Raster und Lastreserven erweitern die Zahl möglicher Folgenutzungen. - Belichtung als Schlüsselthema behandeln
Wo Aufenthaltsnutzungen denkbar sind, sollten Lichthöfe, Fassadenöffnungen, Oberlichter oder andere Belichtungsstrategien von Beginn an mitgedacht werden. - Technische Reserven vorsehen
Schächte, Leerrohre, Stromkapazitäten, Sanitär- und Lüftungsreserven reduzieren spätere Eingriffe. - Brandschutz und Fluchtwege als Transformationsparameter
Eine spätere Umnutzung sollte bereits als mögliches Szenario in den brandschutztechnischen Überlegungen berücksichtigt werden. - Rechtliche Flexibilität ermöglichen
Stellplatzverpflichtung, Widmung, Eigentumsstruktur und mögliche Ersatzstellplätze sollten frühzeitig geprüft werden. - Mehrfachnutzung statt reine Nachnutzung
Projekte wie Waldrebengasse zeigen, dass eine Fläche nicht erst nach Aufgabe des Parkens einen Mehrwert entwickeln muss. - Lebenszyklus berücksichtigen
Errichtung, Betrieb, Umnutzung und Rückbau sind gemeinsam zu betrachten. Insbesondere bei Tiefgaragen ist der ökologische Aufwand der Herstellung frühzeitig zu bewerten. - Standort differenzieren
Eine Lösung für innerstädtische Lagen ist nicht automatisch auf ländliche oder periphere Räume übertragbar.
Parkgaragen sind gebauter Bestand auf Vorrat: Beton, Fläche und Infrastruktur für ein Mobilitätsmodell, das sich grundlegend verändert. Während manche Stellplätze bereits leer stehen, werden andernorts weiterhin Flächen für den ruhenden Verkehr geplant. Die Frage ist daher: Was passiert, wenn wir diese Stellplätze nicht mehr brauchen?
Damit berührt die Arbeitsgruppe „Vom Stellplatz zur Mehrwertfläche: Parkgaragen im Wandel“ den IG-Lebenszyklus-Schwerpunkt 2026 „Bestand als Business Case“. Bestand bedeutet dabei nicht nur Erhalt, sondern vor allem, vorhandene Strukturen weiterzuentwickeln und neue Werte aus ihnen zu schaffen.
Auch ökologisch ist diese Frage relevant: Rund 1.240 km² sind in Österreich durch Verkehrsflächen versiegelt – etwa die dreifache Fläche Wiens (vgl. ÖROK-Monitoring Flächeninanspruchnahme und Versiegelung (2025); Datengrundlage: Umweltbundesamt).
Parkgaragen können vom Endpunkt zum Möglichkeitsraum werden: durch Umnutzung im Bestand und Reversibilität im Neubau. Diese Publikation zeigt, wie daraus langfristig neue Mehrwertflächen entstehen können.
- Parkgarage ist nicht gleich Parkgarage: Garagenpark, Innenhofparken, Hochgarage, Tiefgarage und Erdgeschossparken erfordern jeweils unterschiedliche Transformationsstrategien.
- Die spätere Umnutzbarkeit wird wesentlich bereits bei der ursprünglichen Planung bestimmt – insbesondere durch Raumhöhe, Tragstruktur, Belichtung, Erschließung und technische Infrastruktur.
- Mehrwert muss nicht erst durch eine vollständige Umnutzung entstehen: Zwischen-, Mehrfach- und Mischnutzungen können bestehende Stellplatzflächen schon heute wirtschaftlich und funktional aufwerten.
- Im Neubau sollten Garagen nicht ausschließlich für den aktuellen Stellplatzbedarf, sondern als langfristig anpassbare Flächenreserve geplant werden.
- Höhere Anfangsinvestitionen in flexible Tragstrukturen, ausreichende Raumhöhen, Belichtung und technische Reserven können die zukünftige Nutzbarkeit erhöhen und Transformationsrisiken reduzieren.
- Die Wirtschaftlichkeit von Stellplätzen sollte über den gesamten Lebenszyklus betrachtet werden – einschließlich Errichtung, Betrieb, möglicher Umnutzung und Rückbau.
- Insbesondere Tiefgaragen verursachen durch Aushub und materialintensive Konstruktionen hohe graue Emissionen, weshalb der tatsächliche Stellplatzbedarf frühzeitig hinterfragt werden sollte.
- Rechtliche Rahmenbedingungen und Stellplatzverpflichtungen können eine Umnutzung stärker einschränken als die bauliche Struktur und müssen daher frühzeitig in die Planung einbezogen werden.
- Lage und Umfeld sind entscheidend: Innerstädtische, zentrale und gut erschlossene Garagen bieten andere Transformationspotenziale als Stellplätze in peripheren oder ländlichen Gebieten.
- Dokument (PDF) downloaden – Dokument, 9 MB
- Text (PDF) downloaden – Text, 151 KB