Recht & reUse

Gewährleistung und Haftung für wiederverwendete Bauteile und Baustoffe

1 Aktuelle Situation

Baukosten und damit auch Immobilienpreise haben in den letzten Jahren eine überproportionale Steigerung erfahren. Mit dem Anstieg der Zinsen hat sich die Situation weiter und wieder verschärft. Dies wird sowohl für Käufer:innen als auch für Unternehmen zunehmend zu einem teils existenzbedrohenden Problem.

Wer Baukosten senken und zugleich Ressourcen schonen will, muss Material und Bauteile länger im Kreislauf halten. Die Wiederverwendung von Baustoffen und Bauteilen spart Primärrohstoffe, vermeidet Abfall und kann wirtschaftlich attraktiv sein. Dem steht jedoch häufiges Hindernis entgegen: Die Angst, technische Normen möglicherweise nicht zu erfüllen, kann innovative Ansätze und damit auch den Einsatz gebrauchter Bauteile verhindern.

Meistens wird die ordnungsgemäße Ausführung von Gebäuden nur an der Einhaltung technischer Normen gemessen, was einerseits aber nicht immer notwendig und sinnvoll ist, andererseits die Wiederverwendung von Bauteilen und Baustoffen erschwert. Auch alternative oder innovative Lösungen, die funktionieren, sollten zulässig sein.

So wird in der Baupraxis – gezwungenermaßen – oftmals an normgerechten Lösungen festgehalten, nur um sich gegen eventuelle spätere Haftungsansprüche abzusichern, ohne gleichwertige, teilweise kostengünstigere wiederverwendete Baustoffe in Betracht zu ziehen.

Dies verhindert oft nachhaltige und innovative Immobilien. Grundsätzlich wäre eine Lösung des Problems durch eine entsprechende Überarbeitung der technischen Normen denkbar. Dies wäre insbesondere durch Normen, die über ergänzende „Mindestanforderungen“ die Wiederverwendung zulassen möglich. Dieser Weg ist aber ohne entsprechende „Treiber“ aus der Praxis (in der Form von Pilotprojekten oder Vorgaben der Bauherr:innen) schwierig.

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