"Nachhaltigkeit braucht Lebenszyklus.
Lebenszyklus braucht Prozessinnovation."
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Vom Kostenfaktor zum Business Case: Wie der Gebäudebestand wirtschaftlich erfolgreich wird

Neun neue Leitfäden zeigen, wie Gebäude wirtschaftlich und klimafit weiterentwickelt werden

 

Rund 50 Unternehmen und Institutionen haben sich 2026 mit dem wirtschaftlichen Umgang mit Bestandsobjekten beschäftigt. Die Ergebnisse stehen unter www.ig-lebenszyklus.at/publikationen zum Download zur Verfügung. Im Bild der Vorstand der IG Lebenszyklus Bau: Stephan Heid (Heid & Partner Rechtsanwälte), Klaus Reisinger (ClimatePartner), Marc Höhne (DELTA), Margot Grim-Schlink (e7), Dominik Philipp (DTFLR), Christoph Müller-Thiede (M.O.O.CON), Stefan Rufera, KPMG (v.l.n.r.).

Rund 160 Teilnehmer:innen besuchten am 3. November 2026 den 16. Kongress der IG Lebenszyklus Bau an der Hochschule Campus Wien. Unter dem Motto „Der Bestand als Business Case“ stand die Frage im Mittelpunkt, wie sich Gebäude wirtschaftlich und klimafit weiterentwickeln lassen. Im Rahmen des Kongresses veröffentlichte die IG Lebenszyklus Bau neun neue Leitfäden. Alle Publikationen stehen kostenfrei im neu aufbereiteten Publikationshub bereit: www.ig-lebenszyklus.at/publikationen.

 

Rund 2,76 Millionen Gebäude stehen in Österreich, ein Großteil davon wird auch 2050 noch genutzt werden. Knapp vier von fünf sind Wohngebäude, davon rund drei Viertel Einfamilienhäuser (Statistik Austria 2026). Ob Klimaziele erreicht und Werte gesichert werden, entscheidet sich daher zu einem großen Teil im Bestand.

Die neun neuen Leitfäden zeigen, wie sich Gebäudeportfolios strategisch und klimafit steuern lassen, welche Geschäftsmodelle Werte über den Lebenszyklus erhalten und wie neue Nutzungen – etwa am Beispiel von Parkgaragen – neue Potenziale aufzeigen. Weitere Schwerpunkte sind die digitale Bestandserfassung, technische Lösungen und Rechtssicherheit für wiederverwendete Bauteile, partnerschaftliche Projektmodelle, die Projektvorbereitung bei Sanierungen sowie der Weg zum erfolgreichen Business Case im Bestand.

 

Der Bestand als wirtschaftliche Chance

 

Im Mittelpunkt des Kongresses am 3. November 2026 an der Hochschule Campus Wien stand die Frage, wann sich der Bestand rechnet – und für wen. Praxisbeispiele von ÖBB-Infrastruktur und JP Immobilien sowie Impulse aus Investment und Finanzierung machten deutlich: Sanierung und Umnutzung werden dann zum erfolgreichen Business Case, wenn Daten, Ziele und Zusammenarbeit aller Projektbeteiligten von Anfang an stimmen.

 

„Der Bestand ist nicht das Problem der Bau- und Immobilienwirtschaft, er ist ihre größte Chance. Nachhaltig wird unsere Branche nur, wenn wir aufhören, Neubau als Normalfall zu sehen. Das meiste gebundene CO₂, die meisten Werte und die meisten Möglichkeiten liegen im Bestand – technisch, wirtschaftlich und gesellschaftlich“, sagt Christoph Müller-Thiede, Sprecher des Vorstands der IG Lebenszyklus Bau (M.O.O.CON).

 

„Der Gamechanger im Bestand ist die Betrachtung von CO2-Effizienz über den gesamten Lebenszyklus. Gerade die grauen Emissionen aus der Herstellung müssen Berücksichtigung finden”, bestätigt Timm Sassen (Greyfield Group und Vorstand des Vereins Bauen in Bestand in Berlin) in seiner Keynote.

 

„Für uns als Bank ist es vor allem wichtig, früh im Projekt eingebunden zu sein. Jedes Projekt ist anders und gehört individuell beurteilt – das gilt für den Neubau wie für den Bestand”, betont Keynote-Speakerin Andrea Kobetic, UniCredit Bank Austria.

 

Portfoliomanagement: Kein Patentrezept, aber klare Erfolgsfaktoren

 

Wie große Bestandshalter:innen ihre Gebäude strategisch, wirtschaftlich und klimafit weiterentwickeln, zeigt etwa die Arbeitsgruppe „Portfoliomanagement“ anhand von acht Praxisbeispielen – von der BIG über die ÖBB bis zur Stadt Wien.

 

„Ein Patentrezept für Portfoliomanagement gibt es nicht. Jede Organisation muss ihren eigenen Weg finden, abhängig von Bestandsumfang, Zielen und Eigentümerstruktur. Gemeinsam ist allen erfolgreichen Ansätzen eine verlässliche Datengrundlage, eine klare Priorisierung und die Verbindung von Technik, Wirtschaftlichkeit und Ökologie“, sagt Margot Grim-Schlink, stellvertretende Sprecherin des Vorstands der IG Lebenszyklus Bau (e7).

 

Neue Geschäftsmodelle und Parkgaragen im Wandel

 

Mit innovativen Geschäftsmodellen entlang des Lebenszyklus und neuen Nutzungskonzepten anhand des Beispiels von Parkgaragen und Stellplätzen beschäftigten sich zwei weitere Arbeitsgruppen.

 

„Wert entsteht künftig nicht mehr nur beim Bauen, sondern dadurch, dass wir ihn über den gesamten Lebenszyklus erhalten – von Material und Daten bis hin zur Finanzierung“, sagt Dominik Philipp, stellvertretender Sprecher des Vorstands der IG Lebenszyklus Bau (DTFLR).

„Ein gutes Beispiel sind Parkgaragen: Viele Stellplätze werden in Zukunft nicht mehr gebraucht. Wer Garagen heute so plant oder umbaut, dass sie neue Nutzungen aufnehmen können, macht aus einer Kostenstelle eine Mehrwertfläche.“

 

Weitere Ergebnisse der Arbeitsgruppen

 

Auch die übrigen Leitfäden setzen beim wirtschaftlichen Umgang mit dem Bestand an:

  • Digitale Bestandserfassung & Kreislaufwirtschaft: Zehn Use Cases zeigen, welche Bestandsdaten in welcher Qualität entlang des Lebenszyklus tatsächlich gebraucht werden – von der Portfoliobewertung bis zum Rückbau.
  • Konstruktion & Technik: Projekte zu Aushub, Fassaden, Fenstern und Ausbauprodukten zeigen, wie Kreislaufwirtschaft technisch gelingt und wo sie noch an Grenzen stößt.
  • Recht & reUse: Der Leitfaden klärt, unter welchen Voraussetzungen wiederverwendete Bauteile trotz Gewährleistung, Haftung und technischer Normen schon heute rechtssicher eingesetzt werden können.
  • Partnerschaftlich Bauen: Die Orientierungshilfe begleitet Auftraggeber:innen, Ausführende und Konsulent:innen bei ECI- und IPA-Modellen von der ersten Idee bis zum Projektabschluss.
  • Sanierung beginnt vor der Planung: Die Arbeitsgruppe zeigt, warum fundierte Bestandsaufnahme, klare Ziele und die frühe Einbindung aller Fachdisziplinen über den Erfolg von Sanierungen entscheiden.
  • Bestandsentwicklung auf dem Weg zum Business Case: Teil 1 analysiert den österreichischen Gebäudebestand und die Vorgaben, die Bestandshalter:innen schon heute zu einer Priorisierung ihrer Portfolios zwingen.

 

Neu: Der Publikationshub der IG Lebenszyklus Bau

 

Rund 50 Unternehmen und Institutionen haben sich 2026 mit dem wirtschaftlichen Umgang mit Bestandsobjekten beschäftigt. Ihre Ergebnisse stehen im neu aufbereiteten Publikationshub bereit. Dieser bündelt die Publikationen der IG Lebenszyklus Bau und bietet neben den kompletten Leitfäden auch Infografiken, Grafiken und Tabellen zum kostenfreien Download.

Zum Publikationshub: www.ig-lebenszyklus.at/publikationen

 

Bildergalerie: Das war der 16. Kongress

 

Herzlichen Dank an alle Vortragenden, Mitwirkenden, Partner und Teilnehmer:innen für den gelungenen Kongress und den regen Austausch!

 

 

Credit: IG Lebenszyklus Bau/Leo Hagen


Quelle: Statistik Austria, Gebäude- und Wohnungsregister, Bestandsdaten, Datenpaket 2026.


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