Übersicht

Diverses

 

Offener Brief an die Landeshauptleute in Österreich zum Renaturierungsgesetz

Wien, 11. Juni 2024

 

Sehr geehrte Landeshauptleute,

 

wir, die Vorstände der IG Lebenszyklus Bau, betrachten die gegenwärtige Diskussion in Bezug auf das Renaturierungsgesetz mit großer Sorge. Wir fordern die österreichischen Landeshauptleute mit Nachdruck dazu auf, die beschlossene Ablehnung zu überdenken und damit die EU-weit dringend notwendige österreichische Zustimmung zum Gesetz zu ermöglichen. Alles andere betrachten wir insbesondere der jungen Generation gegenüber als grob fahrlässig.

 

Warum? Unter anderem deshalb, weil die Mobilität, welche ein Gebäude durch seinen Standort auslöst, einen höheren CO2– Ausstoß verursacht als dessen Errichtung oder Energieverbrauch im Betrieb. Dies konnte in dem 2020 von der IG Lebenszyklus Bau veröffentlichten Leitfaden „Klimaneutrale Gebäude“ berechnet werden.

 

Studienautor und Vorstandsmitglied Klaus Reisinger bringt es auf den Punkt: „Betrachten wir den CO2 -Fußabdruck eines Hauses, können wir an der Gebäudegrenze nicht Halt machen, sondern müssen Errichtung, Energieverbrauch und Mobilität, die das Haus auslöst, berücksichtigen. Dabei kommen wir unzweifelhaft zur Erkenntnis, dass der CO2 -Fußabdruck eines Gebäudes oft zu mehr als 50 Prozent von der Mobilität, die es durch den Standort auslöst, verursacht wird. Daher ist dort der Hebel anzusetzen.“

 

Immobilienentwickler:innen und Bauherrenvertreter:innen sind nicht nur für die Einhaltung nachhaltiger Standards im Gebäude selbst verantwortlich, sondern auch für die Erreichbarkeit des Objekts mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Daher ist die Frage der Nachhaltigkeit von Immobilien nicht nur eine der Bau- und Gebäudetechnik, sondern auch der Raumplanung. Diesem Thema hat sich die IG Lebenszyklus Bau 2022 in einem weiteren Leitfaden gewidmet und dabei die Forderung „Netto-Neuversiegelung gleich Null“ aufgestellt.

 

Dabei wird klar: Bei kaum einem anderen Thema ist der Generationenkonflikt deutlicher festzumachen als im Bereich Versiegelung. Werden immer wieder neue Flächen verbaut, ist Österreich irgendwann komplett versiegelt. Alles andere als eine „Netto- Neuversiegelung gleich Null“ kann daher niemals nachhaltig sein. Dabei geht es nicht um das Verbot, zu planen und zu bauen, sondern mehr darum, innovative und nachhaltige Lösungen etwa im Umgang mit Bestand, der Leerstands- und Flächennutzung, der Außenentwicklung und Widmung zu verfolgen.

 

Studienautoren und Vorstandsmitglieder Dominik Philipp und Christoph Müller-Thiede fordern daher: „Es soll der Fokus auf die Revitalisierung der Ortskerne und Innenentwicklung gelegt werden, um die Neuversiegelung außerhalb der Ortsgrenzen bzw. an den Ortsrändern  als Konsequenz einzudämmen. Darüber hinaus soll nur dann neu gewidmet werden, wenn sämtliches gewidmetes Bauland entsprechend bebaut ist. Ansonsten ist in gleichem Maße unbenutztes Bauland rückzuwidmen. Damit bleiben die Siedlungsgrenzen definiert und die Natur- und Kulturlandschaft erhalten.“

 

Klaus Reisinger, Climate Partner

Christoph Müller-Thiede, M.O.O.CON

Dominik Philipp, Dietrich | Untertrifaller

 

im Namen des Vorstandes der IG Lebenszyklus Bau

 

Pdf herunterladen


Das könnte Sie auch interessieren...

 

Junge Talente gestalten den Wandel

Neue Kampagne der IG Lebenszyklus Bau lädt junge Branchenteilnehmer:innen und Studierende zur Mitarbeit an Zukunftsthemen ein

 

Junge Talente gestalten den Wandel © Emily N - peopleimages - stock.adobe.com
Junge Talente gestalten den Wandel © Emily N – peopleimages – stock.adobe.com

 

Mehr denn je werden die traditionellen Paradigmen der Bau- und Immobilienwirtschaft durch aktuelle Entwicklungen und innovative Ideen herausgefordert. Junge Fachkräfte haben heute die einzigartige Gelegenheit, die Art und Weise, wie sie in Zukunft bauen und entwickeln, aktiv mit zu gestalten. Im Rahmen der Aktion „Young Life Cycle Professionals“ lädt die IG Lebenszyklus Bau daher junge Branchenteilnehmer:innen und Studierende dazu ein, sich aktiv in den Arbeitsprozess des Vereins einzubringen. So wird 2024 der Trend-Report der nachhaltigen Bau- und Immobilienwirtschaft neu aufgelegt, zudem wird an fünf zukunftsträchtigen Themen gearbeitet, die alle das Potenzial haben, die Zukunft der Branche zu revolutionieren.

 

„Der Fokus auf Nachhaltigkeit und soziale Verantwortung ist ein zentrales Anliegen junger Branchenteilnehmer:innen. Wir wollen deren Perspektiven und Ideen daher noch aktiver als bisher in unsere Arbeit mit einbeziehen,“ betont Wolfgang Kradischnig, Sprecher der IG Lebenszyklus Bau.

 

2022 initiierte die IG Lebenszyklus Bau den ersten Trend-Report der nachhaltigen Bau- und Immobilienwirtschaft – eine Orientierungshilfe im Dschungel der vielfältigen Möglichkeiten, die sich Branchenteilnehmer:innen heute bieten. Alle zwei Jahre wird der Trend-Report auf Herz und Nieren geprüft: Sind die Trends noch aktuell, müssen neue hinzugefügt werden, welche Details gilt es zu ergänzen? Diese und andere Fragen stellen sich die Mitgliedsunternehmen des Verbands in einer dafür eigens konzipierten Workshopreihe. Die Ergebnisse sind Grundlage für die Neuauflage des Trend-Reports, der am 11. November im Rahmen des jährlichen Herbstkongresses präsentiert wird.

 

Die Einladung zur Mitarbeit an junge Branchenteilnehmer:innen und Studierende gilt auch für die Arbeitsgruppen des Vereins: Dabei reicht das Arbeitsprogramm 2024 von European Sustainability Reporting Standards (ESRS) & Immobilien-KPIs über die nachhaltige Entwicklung von Bestandsquartieren, die Überführung vom Energie- zum Gebäudeausweis, bis zu Top-Themen wie künstliche Intelligenz und Unternehmens-Compliance.

 

Facts zur Kampagne „Young Life Cycle Professionals“

 

An der Kampagne „Young Life Cycle Professionals“ können alle Branchenteilnehmer:innen sowie Studierende teilnehmen, die unter 28 Jahre alt sind und entweder im Bereich Planung, Errichtung, Finanzierung oder Betrieb von Gebäuden und/oder Infrastruktur arbeiten oder ein entsprechend einschlägiges Studium belegen.

 

Im Rahmen der Kampagne ist die kostenfreie Mitwirkung am Trend-Report der nachhaltigen Bau- und Immobilienwirtschaft sowie an den Arbeitsgruppen des Vereins möglich. Unter den Teilnehmer:innen werden zudem 10 Tickets für den jährlichen Herbstkongress des Vereins, bei dem rund 200 Bauherren- und Branchenteilnehmer:innen erwartet werden, verlost.

 

Für die Teilnahme ist die Einsendung eines Motivationsschreibens erforderlich:

Einsendungen bitte an office@ig-lebenszyklus.at – Einsendeschluss für 2024 ist der 7. Juni 2024

 

Download Formular „Young Life Cycle Professionals“

 


Das könnte Sie auch interessieren...

 

Vorstandswechsel bei IG Lebenszyklus Bau

Wien, 29. Februar 2023 – Stephan Heid, Heid und Partner Rechtsanwälte, Gründungs- und langjähriges Vorstandsmitglied der IG Lebenszyklus Bau, legt seine Vorstandsfunktion zurück, um „der jüngeren weiblichen Generation“ Platz zu machen. An seiner Stelle wurde Magdalena Prem, Heid und Partner Rechtsanwälte, in den Vorstand des Verbands gewählt. Christoph Müller-Thiede, M.O.O.CON, übernimmt als bestehendes Vorstandsmitglied die Rolle des stv. Sprechers des Vorstands. Die Neuaufstellung wurde von den Mitgliedern des Verbands einstimmig angenommen und ist bis zur Neuwahl im Juni 2025 gültig.

 

„Ich bin sehr dankbar, dass ich in den letzten 12 Jahren mit so vielen großartigen Persönlichkeiten aus der Bau- und Immobilienbranche das Nachhaltigkeitsthema vorantreiben konnte. Der intensive Dialog mit den Menschen aus unterschiedlichen Fachgebieten war vom Start weg das richtige Konzept. Wir wollen daher auch weiterhin unsere Stimme in den Verband als Spezialisten im Nachhaltigkeitsrecht einbringen,“ betont Stephan Heid bei seiner Verabschiedung im Rahmen der Generalversammlung der IG Lebenszyklus Bau vergangenen Montag. 

 

Magdalena Prem ist seit Juli 2023 als Rechtsanwältin bei Heid und Partner Rechtsanwälte tätig. Sie studierte Wirtschaftsrecht an der WU Wien, absolvierte 2018 ihr Gerichtspraktikum und war danach als Rechtsanwaltsanwärterin im Vergaberecht tätig. Die Schwerpunkte ihrer Tätigkeit liegen in der Vergabe von Bau- und Planungsleistungen im öffentlichen und privaten Bereich sowie in der Umsetzung von partnerschaftlichen Vertragsmodellen (zB Allianzverträge oder ECI).

 

„Ich freue mich auf die bevorstehenden Aufgaben, den interdisziplinären Austausch und besonders darauf, aktiv an der Entwicklung kooperativer und nachhaltiger Lösungen zur lebenszyklusorientierten Gesamtoptimierung von Gebäuden mitwirken zu dürfen,“ so Magdalena Prem.

 

Vorstandswechsel bei IG Lebenszyklus Bau - Stephan Heid und Magdalena Prem © Leo Hagen / IG Lebenszyklus Bau
Vorstandswechsel bei IG Lebenszyklus Bau – Stephan Heid und Magdalena Prem © Leo Hagen / IG Lebenszyklus Bau

Das könnte Sie auch interessieren...

 

Kick-Off 2024: Arbeitsgruppen und Trend-Workshops am Start

Gut gelaunt und extrem motiviert diskutierten rund 60 Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Rahmen der Mitglieder- und Interessentenveranstaltung vergangenen Montag das Jahresprogramm der IG Lebenszyklus Bau. 2024 steht neben aktuellen Arbeitsgruppen die Vermarktung des bisher Erarbeiteten im Mittelpunkt, zudem wird der 2022 erstmals veröffentlichte Trend-Report im Rahmen einer eigenen Workshopreihe auf Herz und Nieren geprüft.

 

Arbeitsgruppen 2024

 

Im kommenden Jahr erwartet Sie ein umfangreiches Arbeitsprogramm: In fünf Arbeitsgruppen wird 2024 rund um die Themen European Sustainability Reporting Standards (ESRS) & Immobilien-KPIs, die nachhaltige Entwicklung von Bestandsquartieren, die Überführung vom Energie- zum Gebäudeausweis, künstliche Intelligenz und Unternehmens-Compliance gearbeitet.

 

ZU DEN ARBEITSGRUPPEN 2024

 

Wenn Sie sich für die Teilnahme an der Vermarktung vergangener Arbeitsergebnisse interessieren, wenden Sie sich bitte an die Geschäftsstelle unter office@ig-lebenszyklus.at.

 

Workshopreihe zum Trend-Report

 

2022 veröffentlichte die IG Lebenszyklus Bau erstmals den Trend-Report der nachhaltigen Bau- und Immobilienwirtschaft“. Von Anfang an als „lebendiger Trend-Report“ konzipiert, werden die Trends 2024 in einer Workshopreihe auf ihre Gültigkeit hin abgeklopft und neu überarbeitet. Pro Trend gibt es einen Workshop, dessen Ergebnis in die Neuerscheinung 2024 einfließt. Die Übersicht zu den Trends und die jeweiligen Termine finden Sie unter unten stehendem Link.

 

ZU DEN TREND-WORKSHOPS

 

Im Rahmen der Veranstaltung wurde zudem eine Veränderung im Vorstand bekannt gegeben: Stephan Heid, Heid und Partner Rechtsanwälte, Gründungs- und langjähriges Vorstandsmitglied des Verbands, legt seine Vorstandsfunktion ab sofort zurück, um, wie er sagt, der „jüngeren weiblichen Generation“ Platz zu machen. „Ich bin sehr dankbar, dass ich in den letzten 12 Jahren mit so vielen großartigen Persönlichkeiten aus der Bau- und Immobilienbranche das Nachhaltigkeitsthema vorantreiben konnte. Der intensive Dialog mit den Menschen aus unterschiedlichen Fachgebieten war vom Start weg das richtige Konzept. Wir wollen daher auch weiterhin unsere Stimme in den Verband als Spezialisten im Nachhaltigkeitsrecht einbringen.“

Der Vorstand nahm den Vorschlag an, Magdalena Prem von Heid und Partner Rechtsanwälte, als Vorstandsmitglied zu kooptieren. Christoph Müller-Thiede von M.O.O.CON übernimmt als bestehendes Vorstandsmitglied die Rolle des stv. Sprechers des Vorstands. Die Neuaufstellung wurde von den Mitgliedern einstimmig angenommen und ist bis zur Neuwahl im Juni 2025 gültig.


Das könnte Sie auch interessieren...

 

Trend-Report 2024 – Be part of the process!

Trend Report: 8 ½ Trends

2022 veröffentlichte die IG Lebenszyklus Bau erstmals den „Trend-Report der nachhaltigen Bau- und Immobilienwirtschaft“. Von Anfang an als „lebendiger Trend-Report“ konzipiert, werden die Trends 2024 in einer eigens konzipierten Workshopreihe auf ihre Gültigkeit hin abgeklopft und neu überarbeitet. Pro Trend gibt es einen Workshop, dessen Ergebnis in die Neuerscheinung 2024 einfließt.

Um sich für einen Trend-Workshop anzumelden, nutzen Sie bitte das folgende Formular: Mitwirkung an den Trends 2024

Trends 2024

 

1 Kein Bauen ohne Klimaverantwortung

In Zukunft wird man Städte und Häuser – egal ob Neubau, Sanierung oder Erweiterung – nicht mehr nur anhand der bisherigen Faktoren Zeit und Geld bemessen und bewerten. Auch Klima- und Umweltaspekte werden auf eine quantifizierbare Grundlage gestellt.

2 Corporate Climate Responsibility

Corporate Climate Responsability – kurz CCR – umfasst unterschiedliche Maßnahmen, um das Klima zu schützen und den eigenen ökologischen Fußabdruck zu reduzieren. Dazu zählen etwa der Einsatz von nachhaltigen Produkten, Baustoffen und Energiequellen, die Reduktion von Schadstoffen und Emissionen und der Umgang mit physischer und digitaler Mobilität.

3 Vom Me-Project zum We-Project

Aktuelle Krisen beweisen, dass wir die klassischen Prozesskulturen, Leistungsbilder und Vertragsschablonen überdenken und auf dem Fundament von Open Source, Open Knowledge und BIM neue kooperative Geschäfts- und Vertragsmodelle entwickeln müssen. Ganz unter dem Motto: Co-Kreation statt Wettbewerb. Gemeinsam sind wir schneller und schaffen mehr.

4 Künstliche Intelligenz

Ein Megatrend der in vielen Bereichen große Veränderungen mit sich bringen wird, ist das Feld der künstlichen Intelligenz. Das betrifft auch die Bau- und Immobilienwirtschaft, denn Softwaretools nutzen vermehrt KI und Start-ups beschäftigen sich mit dem Support von Kernprozessen der Immo-Wirtschaft. KI entwickelt sich zunehmend zum persönlichen Assistenten.

5 Regionalisierung: Auf die Nähe kommt es an

In Zukunft werden wir uns nicht mehr nur fragen: Wieviel kostet ein Bauteil? Und welche konstruktiven und bauphysikalischen Eigenschaften hat es? Sondern auch: Woher stammt der Baustoff? Wie groß ist der ökologische Fußabdruck? Und welchem heimischen Betrieb kommt meine Investition zugute?

6 Das Viertelstunden-Quartier

Die 15 Minuten sind ein Bekenntnis zu einer ganzheitlichen, ökologischen Stadtplanung und Stadtentwicklung, die dem Auto seine urbane Vormachtstellung nimmt – zugunsten von Luftgüte, Verkehrsberuhigung und sozialer Rückeroberung öffentlicher Räume.

7 Reduktion der Versiegelung

Eine Überbauung in Form von Wohnen, Bürogebäuden und Bildungsinfrastrukturen und Bestands(um)nutzung sind nicht nur Antworten auf Grundstücks- und Baulandknappheit, sondern auch eine Alternative zum inakzeptabel hohen Versiegelungsgrad in Österreich.

Workshoptermin: 09.04.2024, 13:00-16:00 Uhr

8 Purpose Driven Workforce

Mitarbeiter:innen stellen einen der wichtigsten Erfolgsfaktoren jeder Organisation dar. Studien zeigen, dass es für Personalverantwortliche notwendig ist ihr Wertangebot für Mitarbeiter:innen als Reaktion auf den externen Arbeitsmarkt zu ändern. Dementsprechen müssen sich auch die wesentlichen Faktoren, um Talente zu gewinnen, zu entwickeln und zu halten, zwangsläufig anpassen.

8 1/2 Humanökonomie

Humanökonomie hinterfragt unser aktuelles Wirtschaftssystem, fordert eine gesellschaftliche Verhaltensänderung und stellt als Alternative das Konzept der Suffizienz, der Genügsamkeit zur Diskussion. Die Zivilgesellschaft wird langfristig ein integraler Bestandteil unternehmerischen Denkens und Handelns.

 

Jetzt anmelden


Das könnte Sie auch interessieren...

 

KONNEX BAU Spezial „8 ½ Trends: Ein Report aus der Zukunft“

Mit der Veröffentlichung des Trend-Reports „8 ½ Trends“ werfen wir einen Blick in die Zukunft der Branche: Ob Corporate Climate Responsibility, das Mieten von Bauteilen und Baustoffen, Topfield-Developments oder Biophilic Design – im Rahmen des Trend-Reports wird deutlich, wo die Reise beim nachhaltigen Planen, Bauen und Betreiben von Gebäuden hingeht.

 

In zwei „Deep Dives“ von Markus Hörmanseder (LibertyDotHome) und Harald Mezler-Andelberg (Lindner Group) wurden beim KONNEX BAU Special am 1. Februar 2023 die Trends Humanökonomie und Mieten von Bauteilen und Baustoffen im Detail vorgestellt und anschließend in einer Paneldiskussion diskutiert.

 

Trend-Report herunterladen

 

KONNEX BAU nachschauen

 

Sie haben die Veranstaltung verpasst oder möchten die Präsentation als Videoaufzeichnung nachschauen: 

 


Das könnte Sie auch interessieren...

 

„Das Pulverfass des schlechten Geschmacks“ – 7 Thesen von Robert Pfaller

Über die soziale Verantwortung einer allgemein zugänglichen ästhetischen Bildung

 

Robert Pfaller, österreichischer Philosoph
Robert Pfaller, österreichischer Philosoph

In Österreichs ländlichen Regionen kommt es seit einigen Jahren zu einer regen Bautätigkeit: Zahlreiche Neubauten von Ein- und Großfamilienhäusern entstehen neben umfassenden Adaptionen und Erweiterungen bestehender Gebäude.

 

„In der Regel werden gesichtslose Bauten mit rechteckigen Standardgrundrissen in die Landschaft gestellt, die man in grellen Neonfarben wie Leuchtgelb gestaltet oder – ein Erbe der Postmoderne – mit farblichen Ornamenten wie Streifen, Rauten oder komplexeren Überschneidungen farblicher Flächen detailverziert“, so Robert Pfaller

 

Dazu formulierte der österreichische Philosoph sieben Thesen:

 

  • Was hier entsteht, ist mehr als ein ästhetischer Schrecken. Hier sind hier gewaltige Enttäuschungen im Heranwachsen begriffen – und damit verbunden ein erheblicher Sprengstoff für die Gesellschaft als Ganze. Denn es handelt sich nicht mehr, wie noch bis vor kurzem, um die Trostlosigkeit nüchterner Zweckbauten industrialisierter Landwirtschaft. Was hier neu entsteht, ist etwas liebevoll Gestaltetes – aber mit der sehr wahrscheinlichen Aussicht, dass diese Liebe enttäuscht werden wird.

 

  • Denn der schlechte Geschmack ist nicht einer, dem etwas anderes Freude macht als dem guten Geschmack. Vielmehr gefällt und missfällt dem schlechten Geschmack genau dasselbe wie dem guten Geschmack – nur mit etwas zeitlichem Abstand.

 

  • Wie Adolf Loos bemerkte, lässt das Ornament Gebäude ästhetisch verfallen noch bevor sie materiell verfallen. Wir müssen uns also darauf gefasst machen, auf dem Land mehrheitlich Architekturen anzutreffen, die physisch noch intakt (und ökonomisch vielleicht noch nicht einmal abbezahlt), ästhetisch aber bereits Ruinen sind.

 

  • Sich mit dem eigenen Geschmack uneins fühlen zu müssen bzw. sich für ihn zu schämen erzeugt Zorn und Hass auf andere. Im Wahlverhalten der Bevölkerungen westlicher Länder zeichnet sich dieser Riss zunehmend ab: Er verläuft (nach der Terminologie von David Goodheart) zwischen ländlichen oder suburbanen „Somewheres“, die z. B. durch Hausbesitz und Beruf an einen bestimmten Ort gebunden sind, und den urbanen „Anywheres“, die mangels Eigenheimbesitz sowie dank ihrer Vielsprachigkeit und guter Ausbildung in vielen Metropolen gleichermaßen Arbeit und Existenz finden können.

 

  • Auch im Wahlverhalten zeigt sich, dass die „politischen Geschmäcker“ nicht einfach nur verschieden sind. Denn die Anywheres wählen, was ihnen gefällt. Die Somewheres dagegen wählen (nach der These des Soziologen Thomas Frank) das, wovon sie glauben, dass es die Anywheres ärgert. Es gibt somit einen politischen wie einen ästhetischen „Trotzgeschmack“.

 

  • Die derzeit im Entstehen begriffene Architektur ist geeignet, diesen gesellschaftlichen Riss zu vertiefen und zu verstetigen.

 

  • Darum ist es eine dringende soziale wie kulturelle Aufgabe, ästhetische Bildung für breitere Bevölkerungsgruppen zugänglich zu machen. Um es mit dem Philosophen Günther Anders zu sagen: Der beträchtlichen Fähigkeit materiellen architektonischen Herstellens muss eine ebenbürtige ästhetische Fähigkeit architektonischen Vorstellens und Gestaltens an die Seite gestellt werden.

 

Sie wollen mehr erfahren? In seiner Keynote „Das Pulverfass des schlechten Geschmacks“ beim 12. Kongress der IG LEBENSZYKLUS BAU am 15. November diskutiert Robert Pfaller, wieso diese Entwicklungen eine Menge an sozialem Sprengstoff erzeugen können. 


Das könnte Sie auch interessieren...

 

Bau- und Immobilienwirtschaft im Umbruch | SOCIAL IMPACT

Die Bau- und Immobilienwirtschaft steht vor gewaltigen Herausforderungen. Klimawandel, Ressourcenverknappung – verschärft durch den Krieg in der Ukraine – und akute soziale Fragen wirken sich auf alle Bereiche im Gebäudelebenszyklus aus. Veränderte regulatorische Anforderungen aus dem European Green Deal wie EU Taxonomie und ESG, der Umgang mit preislich und zeitlich volatilen Märkten, Lieferkettenbrüche oder obsolete Vertragsmodelle sind die zentralen Herausforderungen, denen sich die Bau- und Immobilienwirtschaft stellen muss.

 

Die IG LEBENSZYKLUS BAU arbeitet mit Hochdruck an Lösungsansätzen für diese Kernfragen und zeigte im Rahmen der 2. Mitglieder- und Interessentenveranstaltung am 21. Juni im Dialog mit Expert*innen, wie resiliente Lösungen rund um das Thema „Social Impact“ (Neue Modelle der Zusammenarbeit & vertragliche Adaptierungen) konkret aussehen können. Elmar Hagmann (Sedlak Bauunternehmen)  informierte über die aktuellen Herausforderungen im Unternehmen und diskutierte mit Markus P. Beham (Universität Passau) Resilienzstrategien und Lösungsansätze aus den Arbeitsergebnissen der Arbeitsgruppen.

 

2. Mitglieder- und Interessentenveranstaltung / Generalversammlung nachschauen

 

Sie haben die Veranstaltung verpasst und möchten die Präsentation als Videoaufzeichnung nachschauen: 

 


Das könnte Sie auch interessieren...

 

Bau- und Immobilienwirtschaft im Umbruch | VERKNAPPUNG

Die Bau- und Immobilienwirtschaft steht vor gewaltigen Herausforderungen. Klimawandel, Ressourcenverknappung – verschärft durch den Krieg in der Ukraine – und akute soziale Fragen wirken sich auf alle Bereiche im Gebäudelebenszyklus aus. Veränderte regulatorische Anforderungen aus dem European Green Deal wie EU Taxonomie und ESG, der Umgang mit preislich und zeitlich volatilen Märkten, Lieferkettenbrüche oder obsolete Vertragsmodelle sind die zentralen Herausforderungen, denen sich die Bau- und Immobilienwirtschaft stellen muss.

 

Die IG LEBENSZYKLUS BAU arbeitet mit Hochdruck an Lösungsansätzen für diese Kernfragen und zeigte im Rahmen der 2. Mitglieder- und Interessentenveranstaltung am 21. Juni im Dialog mit Expert*innen, wie resiliente Lösungen rund um das Thema „Ressourcenverknappung“ (Lieferkettenbrüche, Umgang mit volatilen Märkten) konkret aussehen können. Hermann Urschitz (GETEC) informierte über die aktuellen Herausforderungen im Unternehmen und diskutierte mit Stefan Rufera (KPMG) Resilienzstrategien und Lösungsansätze aus den Arbeitsergebnissen der Arbeitsgruppen.

 

2. Mitglieder- und Interessentenveranstaltung / Generalversammlung nachschauen

 

Sie haben die Veranstaltung verpasst und möchten die Präsentation als Videoaufzeichnung nachschauen: 

 


Das könnte Sie auch interessieren...

 

Bau- und Immobilienwirtschaft im Umbruch | KLIMAWANDEL

Die Bau- und Immobilienwirtschaft steht vor gewaltigen Herausforderungen. Klimawandel, Ressourcenverknappung – verschärft durch den Krieg in der Ukraine – und akute soziale Fragen wirken sich auf alle Bereiche im Gebäudelebenszyklus aus. Veränderte regulatorische Anforderungen aus dem European Green Deal wie EU Taxonomie und ESG, der Umgang mit preislich und zeitlich volatilen Märkten, Lieferkettenbrüche oder obsolete Vertragsmodelle sind die zentralen Herausforderungen, denen sich die Bau- und Immobilienwirtschaft stellen muss.

 

Die IG LEBENSZYKLUS BAU arbeitet mit Hochdruck an Lösungsansätzen für diese Kernfragen und zeigte im Rahmen der 2. Mitglieder- und Interessentenveranstaltung am 21. Juni im Dialog mit Expert*innen, wie resiliente Lösungen rund um das Thema „Klimawandel“ (EU Taxonomie und ESG) konkret aussehen können. Ulrike Gehmacher (IMMOFINANZ AG) informierte über die aktuellen Herausforderungen im Unternehmen und diskutierte mit Klaus Reisinger (iC consulenten ZT GmbH) Resilienzstrategien und Lösungsansätze aus den Arbeitsergebnissen der Arbeitsgruppen.

 

2. Mitglieder- und Interessentenveranstaltung / Generalversammlung nachschauen

 

Sie haben die Veranstaltung verpasst und möchten die Präsentation als Videoaufzeichnung nachschauen: 

 


Das könnte Sie auch interessieren...

 

Kongress on demand: Franz Fischler „Green Deal: Die Jahrhundertchance für Europa“

 

In seiner den Kongress eröffnenden Keynote betonte der frühere Bundesminister und EU-Kommissar Franz Fischler die einzigartigen Chancen für die österreichische Wirtschaft, die durch den Europäischen Green Deal möglich werden: „Was wir jetzt brauchen, ist die Transformation der Gesellschaft und aller Wirtschaftssparten: Die Herausforderung ist umfassend, kein Wirtschaftssektor soll warten und zuschauen, bis die anderen etwas tun. Im Gegenteil „speed wins“. Europa ist in vielen Umwelttechnologien führend. Rechtzeitige Transformation eröffnet die Chance, aus den Notwendigkeiten wirtschaftliche Erfolge zu machen. Genau das ist und wird auch die Hauptaufgabe der Bau- und Immobilienbranche sein“.

 

Den vollständigen Vortrag „Green Deal: Die Jahrhundertchance für Europa“ sehen Sie hier:

 


Das könnte Sie auch interessieren...

 

Kongress on demand: Werner Sobek „Mut zur Utopie!“

Der Stuttgarter Architekt und Autor Werner Sobek war einer der gefragtesten und am meisten diskutierte Speaker des 11. Kongresses der IG LEBENSZYKLUS BAU am 21. Oktober in Wien. Sobek betonte in seiner Keynote „Mut zur Utopie!“ die zentrale Rolle der Bauindustrie in der Klimakrise.

 

Das Bauwesen ist für mehr als 35 Prozent des weltweiten Energieverbrauchs verantwortlich, inklusive dem dafür notwendigen Transport sind 50 Prozent der weltweiten Treibhausgasemissionen auf das Bauwesen zurückzuführen. Werner Sobek fordert ein sofortiges Gegensteuern der Bauindustrie. Verwendetes Material und Bauweisen müssen sich schnell ändern. Laut Sobek sind hier zukunftsweisende Visionen von immenser Bedeutung, Visionen, mit denen man/frau nicht „zum Arzt gehen sollte“, sondern, die Mut und ein offenes Denken belegen und verlangen.

 

„Rund 50 Prozent der Emissionen, die ein Gebäude im Laufe seines Bestehens verursacht, werden bereits in der Produktionsphase erzeugt und ausgestoßen. Keine der bisherigen Bauregulierungsmaßnahmen setzt hier an. In der Branche muss ein massives und rasches Umdenken stattfinden. Die Bauindustrie verursacht im Jahr 10 Milliarden Tonnen Müll. Dass sind 320 Tonnen Abfall in der Sekunde. Bauschutt wird dabei in der Regel nicht recycelt, sondern abgelagert. Doch viele Deponien in Industrieländern nehmen keinen Bauschutt mehr auf. Das hat zur Folge, dass Müll in andere Länder transportiert wird. Diese Schwertransporte belasten die Umwelt noch zusätzlich. Der aktuelle Baustoffverbrauch beträgt 100 Milliarden Tonnen im Jahr. Das heißt: Pro Sekunde werden 3.200 Tonnen Material aus der Erde gefräst, zu Baustoffen verarbeitet, dabei über die halbe Welt verfrachtet, bis schließlich mit ihnen gebaut wird. Um genauso viel bauen zu können wie Industriestaaten, müssten Entwicklungsländer in Summe 2.200 Gigatonnen Baustoffe erhalten. Das ist das Doppelte des aktuell weltweit Gebauten“.

 

Den vollständigen Vortrag „Mut zur Utopie!“ sehen Sie hier:

 


Das könnte Sie auch interessieren...

 

Zu neuen Ufern: IG LEBENSZYKLUS BAU 2021

IG Lebenszyklus 2021 Wechselwirkung Gebaeude Raum

 

Lebenszyklus neu gedacht – Unsere Arbeitsgruppen 2021

 

Unter dem Motto „Lebenszyklus neu gedacht: Gebäude und Raum im Wechselspiel“ geht die IG LEBENSZYKLUS BAU 2021 mit 14 Arbeits- und Projektgruppen an den Start. Dabei steht die ganzheitliche Sicht auf die Wechselwirkung zwischen Gebäude und Raum unter Berücksichtigung von digitalen Innovationen im Fokus. Wie können wir im Bau eine tatsächliche Klimaneutralität erreichen? Welche Bedeutung hat die Kreislaufwirtschaft für die Klimaneutralität? Was bedeutet Nachhaltigkeitsrecht für die Bauwirtschaft? Führende Experten aus derzeit rund 40 Unternehmen und Institutionen aus Wirtschaft, Stadtplanung und Wissenschaft sind bereits aktiv, um klare Antworten auf diese und andere drängende Fragen der Bau- und Immobilienbranche zu finden. Eine Teilnahme für Branchenexperten ist bis Mitte März möglich.

 

Die neu eingerichteten Arbeitsgruppen stehen allen Mitgliedern sowie interessierten Bauherren und Branchenteilnehmern offen. Alle weiteren Informationen finden Sie unter: www.iglebenszyklus.at/arbeitsgruppen Um den Arbeitsprozess so effizient wie möglich zu gestalten, bestehen diese jeweils aus einer Kern- und Feedbackgruppe. Um sich für eine Arbeitsgruppe anzumelden, wenden Sie sich bitte anoffice@ig-lebenszyklus.at. Die Themen der Arbeitsgruppen beziehen sich auf Prozess, Organisation, Kultur und Technologie bei Planung, Errichtung, Finanzierung, Betrieb von Gebäude-Infrastrukturen.

 

„Die Betrachtung von nur einem Gebäude ist zu wenig, um über Nachhaltigkeit und Klimaneutralität nachzudenken. 2021 verbinden wir die Aspekte Mobilität, Vernetzung und Verknappung auf dem Fundament des K.O.P.T-Modells mit den Themen des Gebäudes und der dieser ‚umgebenden Welt‘, dem Raum. Mit unseren Arbeitsgruppen bieten wir in diesem Jahr ein breit gefächertes und profundes Wissen sowie klare Antworten auf die drängenden Fragen der Bau- und Immobilienwirtschaft“, fasst Karl Friedl, Sprecher der IG LEBENSZYKLUS BAU, das Arbeitsjahr 2021 zusammen.

 

Mobilität, Vernetzung und Verknappung als wesentliche Umweltfaktoren

 

Die IG LEBENSZYKLUS BAU definierte in den vergangenen Jahren zahlreiche phasen- und bereichsübergreifende Standards und Modelle für lebenszyklusorientierte Gebäude. Bereits 2020 hat es sich der Verein zur Aufgabe gemacht, die Wechselwirkung zwischen Gebäude und Raum in einer integralen Sichtweise noch intensiver zu untersuchen. 2021 wird auf diesen Ergebnissen aufgebaut, Studien und Leitfäden zu klimaneutralen Gebäuden, Mobilität oder Kreislaufwirtschaft werden weiter fortgesetzt und verfeinert.

 

Dabei stehen Mobilität, Vernetzung und Verknappung als wesentliche Umweltfaktoren im steten Wechselspiel mit Gebäude und Raum. Grundlage aller Arbeitsprozesse ist das in den vergangenen Jahren erarbeitete K.O.P.T.-Modell zur ganzheitlichen Sicht von Immobilienprojekten: Kultur, Organisation, Prozesse und Technologie werden dabei als Grundlage zum Projekterfolg verstanden. 

 

Um sich für eine Arbeitsgruppe anzumelden, wenden Sie sich bitte anoffice@ig-lebenszyklus.at

 

Projektgruppen mit Schwerpunkt Digitalisierung im Bereich Technologie der IG LEBENSZYKLUS BAU sind 2021 Kooperationsprojekte mit Digital Findet Stadt:

  • Projektgruppe 1: Single Source of Truth: Zusammenarbeit mit BIM
  • Projektgruppe 2: As-built-Modell & Dokumentation
  • Projektgruppe 3: BIM im Bestand

 

 

SAVE THE DATE:

 


Das könnte Sie auch interessieren...

 

Fotogalerie: Das was der 10. Kongress der IG Lebenszyklus Bau


Das könnte Sie auch interessieren...

 

Österreichische Bau- und Immobilienwirtschaft stärkt Klimaschutz

Der 10. Kongress der IG LEBENSZYKLUS BAU brachte am 20. Oktober 2020 in Wien hochkarätige EntscheiderInnen der Bau- und Immobilienbranche zusammen und definierte klare Strategien für die Umsetzung des europäischen Green Deal. Rund 150 Teilnehmer*innen trafen sich am Kongressort des SV-Dachverbands in Wien sowie via Live-Streaming. 

Die Baubranche stellt sich den Herausforderungen

 

Unter Berücksichtigung der Querschnittsthemen Mobilität, Vernetzung und Verknappung referierten Wolfgang Pekny (FOOTPRINT) und Roland Bechmann (Werner Sobek AG) über die Herausforderungen des Green Deal für die Bau- und Immobilienwirtschaft. Wolfgang Pekny betonte, dass bei Gebäuden nicht die Baumaterialien, sondern die Lebensdauer die Nachhaltigkeit bestimmt. Letztere wird durch drei Faktoren determiniert:  Qualität der Ausführung, Funktionalität (Flexibilität der Nutzung) und Schönheit.“

 

Roland Bechmann ist überzeugt von einer erfolgreichen Transformation der Bauwirtschaft: „Ressourcenknappheit und Klimaerwärmung stellen die Baubranche vor große Herausforderungen – gerade durch die Erstellung von Neubauten werden derzeit noch viele sogenannte graue Emissionen erzeugt. Aber durch eine Wende zu klimabewusstem Planen, Leichtbau und zirkulärer Wertschöpfung kann die Transformation der Bauwirtschaft gelingen und die Bauqualität und der Nutzerkomfort sogar steigen.“

 

Eine bahnbrechende Studie veröffentlicht die AG Klimaneutrale Gebäude unter Leitung von Klaus Reisinger (iC consulenten), der es gelungen ist nachzuweisen, dass die CO2-Emissionen aus der Mobilität während der Errichtung und Nutzung eines Gebäudes ausschlaggebend sind: Sie können so hoch sein wie Gebäudeerrichtung und Gebäudeenergiebedarf zusammen. Deswegen ist der Ausstieg aus fossiler Energie laut der Studie bei der Mobilität am wichtigsten. Eine Energieversorgung mit lokal erzeugten erneuerbaren Energiequellen und Vernetzung mit anderen Gebäuden bedeutet einen großen Schritt hin zur Klimaneutralität. Die vollständige Umstellung des Gebäudesektors auf eine ressourcenorientierte Kreislaufwirtschaft wird die Bau- und Immobilienbranche noch lange beschäftigen: „Die Immobilienbranche hat in den letzten Jahren gezeigt, wie man schrittweise CO2-Emissionen reduzieren und gleichzeitig die Qualität von Gebäuden steigern kann. Betrachten wir aber den CO2-Fußabdruck eines Hauses, können wir an der Gebäudegrenze nicht Halt machen, sondern müssen Errichtung, Energiebedarf und Mobilität, die das Haus auslöst, berücksichtigen. Dabei kommen wir unzweifelhaft zur Erkenntnis, dass bei der Mobilität genau diese Errungenschaften noch nicht erzielt wurden. Daher ist unsere Forderung auch ganz klar: Andere Sektoren müssen rasch ebenfalls Verantwortung beim Klimaschutz übernehmen und Emissionsreduktion und Qualitätserhöhung in Einklang bringen!“ (Klaus Reisinger)

Qualitätserhöhung und Lebenszyklusorientierung bei Gebäudeprojekten stehen im Fokus der Arbeitsgruppe um Wolfgang Kradischnig (DELTA), Marc-Guido Höhne (Drees & Sommer) und Bernhard Herzog (M.O.O.CON), die an neuen Formen und Strukturen des Hybriden Projektmanagements arbeiten und die Erfahrungen aus den Unternehmen und Projekten laufend in ihre Arbeitsergebnisse einfließen lassen.

 

Zusammen mit der Politik die Rahmenbedingungen schaffen

 

Im zweiten Teil des Kongresses standen die politischen Rahmenbedingungen des Green Deal für die Bau- und Immobilienwirtschaft in der EU und in Österreich im Fokus. Für Politikwissenschaftler Henning Deters von der Donau-Universität Krems liegt die besondere Herausforderung in der Positionierung der Bau- und Immobilienwirtschaft „Noch ist der Europäische Green Deal nur eine Wunschliste. Damit daraus Wirklichkeit wird, müssen die Mitgliedstaaten an einem Strang ziehen. Die Chancen stehen besser als sonst, denn Corona macht Druck. Der Bausektor kann als Transmissionsriemen des grünen Aufbauprogramms

profitieren ­– wenn er sich jetzt richtig aufstellt.“

 

Jürgen Schneider, Sektionschef im Bundesministerium für Klimaschutz, betont die zukünftigen Änderungen der gesetzlichen Rahmenbedingungen im Gebäudebereich: „Mit dem Ziel der Klimaneutralität haben sich die EU und Österreich zu einer umfassenden Transformation der Wirtschaft und Gesellschaft als Antwort auf die Klimakrise bekannt. Die dafür notwendigen Rahmenbedingungen müssen nun schnell gemeinsam geschaffen werden, um klimafreundliches Wirtschaften zu unterstützen. Dies wird eine Reihe von weitreichenden Änderungen auch im Gebäudebereich nach sich ziehen.“  In der nachfolgenden Panel-Diskussion verweist Karl Friedl, Vorstandssprecher der IG LEBENSZYKLUS BAU, auf die Notwendigkeit einer ganzheitlichen Betrachtung der zentralen Themenfelder: „Der Green Deal wird nur erfolgreich sein, wenn wir Gebäude, Energie, Mobilität und Digitalisierung ganzheitlich betrachten. Nur mit branchenübergreifender Zusammenarbeit werden wir zukunftsfähige Gebäude, Quartiere und Städte für die nachfolgenden Generationen schaffen.“

 

Green Deal & Green Finance

 

Die finalen Vorträge des Kongresses von Tim Schabert (KPMG) und Christoph M. Achammer (ATP architekten ingenieure) stellten Green Deal und Green Finance in den Mittelpunkt. Während Tim Schabert das Nachhaltigkeitsmanagement als Instrument der Veränderung des Verhältnisses zwischen Banken und Kunden herausarbeitete, forderte Christoph M. Achammer alle Tätigen in der Bau- und Immobilienwirtschaft zu einem „gemeinsamen neuen Handeln von allen für alle“ auf: „Wenn die Forderungen des Green Deal nun in der Finanzwelt angekommen sind, ist es auch die unternehmerische Verantwortung aller in der Immobilienindustrie Tätigen, unmittelbar aktiv zu werden. Emissionsfreiheit bis 2050 erfordert jetzt ein gemeinsames neues Handeln von allen für alle.“


Das könnte Sie auch interessieren...

 

„Spiel die Stadt“ – das war der IG LEBENSZYKLUS BAU Spieleabend

In die Rolle von Stadtentwicklern schlüpften die Mitspielenden am 26. August im Veranstaltungspavilion FABRIK, in der aspern Seestadt. Bei „Spiel die Stadt“, dem Stadtentwicklungs-Spiel der IG LEBENSZYKLUS BAU, wird ein neuer Stadtteil geplant und erschaffen. Gemeinsam wurde das neue Spiel ausprobiert, im Gastgarten entspannt und die Seestadt erkundet.


Das könnte Sie auch interessieren...

 

NEU: Die App der IG Lebenszyklus Bau

Installieren Sie jetzt die IG Lebenszyklus Library App auf Ihrem Handy per Klick auf den Button:

 

Play Store (Android):
 
Apple Store (iPhone und iPad):

 

 

 

 


Das könnte Sie auch interessieren...

 

LEBENSZYKLUS UND GREEN DEAL

Nachbericht der Mitglieder- und Interessenten-Veranstaltung am 4. Juni 2020

 

Erfolge des ersten Halbjahres sowie aktuelle Projekte der IG LEBENSZYKLUS BAU wurden am 4. Juni im Rahmen einer Online-Konferenz vorgestellt. Auch die Arbeitsgruppen präsentierten erste Zwischenergebnisse vor rund 40 Teilnehmern.

 

Wichtige Schritte in diesem Jahr waren die Gewinnung von zahlreichen neuen Mitgliedern, die Übergabe der Petition „Gebäudetechniker*innen braucht das Land!“ an das Bundesministerium für Klimaschutz sowie die sowie die Planung des 10. Kongresses der IG zum Thema „Green Deal“ im Oktober. Ein weiteres Projekt ist die Entwicklung der IG LEBENSZYKLUS BAU Library App, mit der ab Ende des Monats ein leinfacher Zugang zu Publikationen, Modellen und Videos der IG ermöglicht wird.

 

Karl Friedl, Initiator und Vorstand der IG LEBENSZYKLUS BAU, stellte das Innovationslabor „Digital findet Stadt“ vor. Diese Plattform für digitale Innovation der Bau- und Immobilienwirtschaft wurde von der IG LEBENSZYKLUS BAU gemeinsam mit dem Austrian Institute of Technology (AIT) entwickelt. Sie will Digitalisierungs-Know-How in Österreich – mit Fokus auf Open BIM und Smart Buildings – bündeln und vor allem KMUs bei der Umsetzung dieser Innovationen unterstützen, sowie Forschung zum Thema vorantreiben. Offizieller Projektstart ist August 2020.

 

IG-Vorstand Erich Thewanger hielt eine passionierte Keynote zum Thema „Herausforderung, Nachhaltigkeit, Standorteinschätzung, Green Deal, Green Finance & Co“, die auch Stoff für Diskussion bot.

Zuletzt präsentierten die Leiter*innen der Arbeitsgruppen vorläufige Ergebnisse. Für Auflockerung des dichten Programms sorgte etwa Thomas Hellweg, Leiter der AG Soziale Vernetzung: In einem von der AG entworfenen, kooperativen Spiel planen die Spieler gemeinsam das „Stadtquartier der Zukunft“. Marc Guido Höhne und Wolfgang Kradischnig von der AG Hybrides Projektmanagement fragten u.a. die Meinung der Teilnehmer zu ihrem Arbeitsschwerpunkt ab.

 

Klaus Reisinger gab einen Sneak Peak in Forschungsergebnisse der AG Klimaneutrale Gebäude, die den CO2 – Fußabdruck von einem Gebäude – Errichtung, Betrieb, Lage des Gebäudes – vergleicht. Ob ein Altbau in der Stadt oder ein Passivhaus in der Umgebung besser für’s Klima ist, wird beim 10. Kongress der IG LEBENSZYKLUS BAU im Herbst verraten.


Das könnte Sie auch interessieren...

 

Bauträger-Forum 2020

Die Arbeitsgruppen: Themen, Ideen, Fragen

 

Welche Erfahrungen haben Sie in ihren eigenen Bauprojekten mit einem Mix aus klassischem Bauprojektmanagement und agilen Methoden bereits gemacht?

 

Haben Sie ein Projekt, das Sie – egal ob es erst startet oder ob es sich in Planung oder Ausführung befindet – gerne zur Verfügung stellen möchten? 

 

Bei komplexen Projekten gibt es kein wichtigeres Thema als ein agiles und intelligentes Projektmanagement.“ Dirk Jäger (Bundesimmobiliengesellschaft)

 

 „Je komplexer und vielschichtiger ein Projekt, beispielsweise in der Stadtentwicklung, ist, desto wichtiger wird das Thema eines agilen und interdisziplinären Projektmanagements. Peter Ulm (Allora Immobilien)

 

„Die ständige Evaluierung von Projekten, Strukturen und ein agiles Projektmanagement sind essentiell für den Erfolg eines Bauprojekts. Ebenso wichtig ist hier ein hoher Grad an Digitalisierung. Insbesondere jetzt, in Zeiten der Corona-Pandemie, sehen wir deutlich, dass viele praktisch über Nacht etablierten Digitalisierungsschübe auch nach Corona erhalten bleiben werden. Wir planen derzeit verschiedene Home-Office Modellen, an einem neuen Gleichgewicht zwischen alt und jetzt.“ Michael Baert (IFA),

 

„Was werden wir nach Corona von New Work übernehmen? Die Planungen dazu bei der Stadt Wien laufen auf Hochtouren. Beispielsweise wird es für die Mitarbeiter*innen der Stadt Wien in vielen Bereichen neue Arbeitsmodelle geben, und das schon ab Juni 2020. Zwanzig bis dreißig Prozent Home Office pro Woche sind eine reale und sinnvolle Möglichkeit. In zwei bis fünf Jahren werden sich dann Arbeitsmodelle und ihre Strukturen grundlegend ändern.“ Thomas Madreiter (Stadt Wien)

 

Haben Investitionen in oder Reduktionen von Infrastruktur eine nachhaltigere Anreizwirkung für eine Mobilitätswende?

 

„Wenn man neue Stadtteile oder Stadtquartiere plant, müssen wir ausprobieren, wie wir auch in Knappheitsverhältnissen steuern und wirken können. Das Mehr oder Weniger ist insbesondere in der Stadtentwicklung nicht eindeutig zu beantworten. Wichtig ist: Es muss immer ein sinnvoller Mix aus „Push“ und „Pull“ sein. Nur wenn hier eine gute Balance erreicht wird, können Bau- und Entwicklungsprojekte erfolgreich sein.“ Thomas Madreiter (Stadt Wien)

 

Wie können Bauträger durch Bereitstellung energieflexibler Gebäude einen Beitrag zur Energiewende leisten?

 

„Energie kann man nicht ohne den Kunden denken. Energie ist ein zentrales gesellschaftliches Thema. Das beginnt bei Überlegungen von „Smart Home“ bis zur Frage des Kunden: „Wie intensiv möchte ich mich mit meiner Stromrechnung auseinandersetzen?“ Wichtig ist, dass das Thema Energieflexibilität einen Mehrwert für den Kunden schafft. Wenn ja, dann macht dieses Thema für mich einen Sinn und sollte groß und standortorientiert gedacht werden.“ Walter Hammertinger Value ONE)

 

Große Fotovoltaikanlagen machen derzeit nur einen Sinn, wenn wir den Strom

selbst nutzen können. Darüberhinaus wird es schwierig. Das Thema der Energieflexibilität ist ein komplexes Thema, wenn es darum geht, Strom über die Grundstücksgrenze hinaus zu liefern.

 Dirk Jäger, (Bundesimmobiliengesellschaft)

 

„Energieflexibilität wird langsam aber sicher als Thema „markttauglich“. Das Thema kommt beim Kunden an.“ Walter Hammertinger Value ONE)

 

„Die Regierung möchte bis 2030 Fotovoltaikanlagen in Österreich in der Größe von 100 Quadratkilometern bauen. Das ist eine enorme Herausforderung und wird nur dann funktionieren, wenn diese Anlagen auf bereits bestehenden Gebäuden weitestmöglich installiert werden. Ich bin fest davon überzeugt, dass es für Energieerzeugungsgemeinschaften Lösungen geben kann, die zum Wohl aller dienen können.“ Bertold Lindner (Heid & Partner)

 

„Es gibt einen hohen Bedarf an intelligenten technischen Schaltungen und Regelungen. Hier benötigen wir neue Regelungstechniken und eine stetige Wartung dieser neuen Anlagen.“ Dirk Jäger (Bundesimmobiliengesellschaft)

 

Wie würden Maßnahmen Ihr Geschäft beeinflussen, die Grundstücke aus der Position von spekulativen Commodities herausnehmen? Zum Beispiel könnten Grundstücke ab sofort nur mit einer Wertsteigerung von 50% der Inflationsrate weiterverkauft werden.

 

Würden Sie hundertprozentige Bodenwertabgaben zur Abschöpfung von Widmungs- und BPlangewinnen unterstützen?

 

Eine Einschränkung beim Verkauf von Grundstücken ist eine Möglichkeit der Steuerung. Bei der Abschöpfung der Bodenwertabgabe ist es die Frage, wo sie anfällt. Eine Verteilungsgerechtigkeit der Bodenabgabe muss gefunden werden. Aber es ist bestimmt das tauglichste Instrument, um das knappe Gut „Boden“nicht verwertbar, aber nutzbar zu machen. Peter Ulm (Allora Immobilien)

 

Wir sehen den Spekulationsgewinn am Grundstück nicht als treibende Kraft für eine Projektentwicklung. Die meisten Spekulationsprofiteure sind keine Projektentwickler.“ Christoph M. Achammer (ATP)

 

Die Unsicherheit muss im Preis abgebildet sein, den man für ein Grundstück zahlt. Das Risiko muss immer kommuniziert werden .“ Thomas Madreiter (Stadt Wien)

 

Grund und Boden sind grundsätzliche Ressourcen, die nicht vermehrbar sind. Wir müssen den spekulativen Teil dem Grundstück nehmen. Wertschöpfung muss der öffentlichen Hand zugutekommen. Christoph M. Achammer (ATP)

 

Welche recyclingfähigen Baustoffe bzw. wiederverwendbaren Bauteile setzen Sie bereits ein?

 

Was hindert Sie daran, ausgebaute (gebrauchte) Bauteile in Ihren Bauvorhaben weiter zu verwenden, bzw. Recyclingbaustoffe einzusetzen und wie groß sehen Sie jeweils das Potenzial dafür?

 

„„In der Mariannengasse in Wien läuft zurzeit das größte Re-Use-Projekt europaweit. Hier haben wir damit sehr gute Erfahrungen gemacht. Gute Produktdatenbanken mit Produktinformationen zum Thema sind hier sehr wichtig.“ Dirk Jäger (Bundesimmobiliengesellschaft)

 

„Der Materialverbrauch eines West-Europäers wie aktuell ist so in der Zukunft nicht mehr fortführbar. Wenn wir im Klimaschutz erfolgreich sein wollen, dann muss es auch staatlich verordnete Rahmenbedingungen und ordnungspolitische Vorgaben geben. Die Zeit drängt! Eine weitere Prokrastination ist nicht mehr möglich.“ Thomas Madreiter (Stadt Wien)

 

„Die Wiederverwendbarkeit von Baumaterial ist für uns private Bauträger ein sehr wichtiger Punkt und gewinnt stetig an Bedeutung Peter Ulm (Allora Immobilien)

 

Welche Maßnahmen der öffentlichen Hand sind aus Ihrer Sicht notwendig, damit eine Projektentwicklung auf industriellen/gewerblichen Brachflächen wirtschaftlich attraktiv wird?

 

„Die Projektentwicklung auf industriellen und gewerblichen Brachflächen ist für private Bauträger ein sehr schwieriges Thema, da hier nur eingeschränkte Verwertungschancen möglich sind, da das Risiko einfach zu hoch ist.“           Peter Ulm (Allora Immobilien)

 

„Bei einer Projektentwicklung auf leicht kontaminierten Brachflächen stellt sich unausweichlich die Frage nach der Übernahme der Haftung. Nur ein Dritter, also eine Versicherung, kann hier Haftungsaufgaben übernehmen.“ Thomas Madreiter (Stadt Wien)

 

Nicht nur das Risiko und die eingeschränkten Verwertungschancen spielen hier eine Rolle. Auch sind oft ungünstige Grundstückslagen von Einfluss. Das ist ein sehr vielschichtiges Thema und hier gibt es viele beeinflussende Koordinaten, was eine jeweilige Einzelfallprüfung erfordert.“ Michael Baert (IFA)